Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-532151
numentalplastik verderblich geworden. Die gestriegelten Racepterde 
der Reiterstatueil London's würden sich viel mehr eignen Joqueyg 
als Könige und Helden zu tragen, welche überdiess so kunstgerechl; 
sitzen, als sei die steife aristokratische I-teitkunst das Hauptverdienst 
gewesen, für welches die Denkmäler errichtet wurden. In der Ideal- 
plzlStlli hindert eine gewisse Prüderie, die am liebsten Even und 
Undinen an die Stelle griechisch-mythologischer Idealtypen setzt, am 
vollen Erfassen gesunder Formschönheit, so dass der allzu zahme 
Geist der englischen Kunst, als deren Hauptrepräsentant J. West- 
macolt zu nennen ist, sich in den schärfsten Gegensatz gegen die 
allzu dreiste Vollsäftigkeit der französischen setzt. _Das Beste wird 
in der Porträtbüste geleistet, in welcher namentlich G. Adams her- 
vorragt, während es indess auch nicht an Versuchen fehlt, die 
französische Art, zu importiren, wie u. a. (FEQJJnay gezeigt hat. 
In der Architektur endlich giebt es nur eine Richtung, in wel- 
cher auch die neueste Zeit in England wahrhaft Bedeutendes hervor- 
gebracht hat, und diese ist die englische Gothik. Die nie ganz er- 
loschene nationale Tradition hat hierin einen wirklich erfreulichen 
Neuaufschwung gewonnen und Leistungen hervorgerufen, welche in 
zahlreichen Kirchen, Saalbauten, öffentlichen Anstalten u. s. w. ge- 
diegenes Verständniss, Eingelebtheit und die Fähigkeit zeigen, mit. 
grosser Oekonomie bedeutende malerische und überhaupt künstlerische 
Effekte zu erzielen. Hierin mag der Continent von England noch 
Manches zu lernen haben, wie in der That schon mehrfach englische 
Bnukünstler auch diesseits des Canals vornehmlich zu Gultbauten 
herangezogen worden sind. 
Wir stehen damit am Ziele. Es ist nicht zu bezweifeln, dass 
kein Land Europafs in der Kunstthätigkeit quantitativ und qualitativ 
niit Frankreich und Deutschland sich messen darf. Muss aber die 
deutsche Kunst sich bescheiden, in technischer Hinsicht die Superiorität 
Frankreichs anzuerkennen und sogar zugestehen, mit den rapiden 
Fortschritten Frankreichs in dieser Beziehung selbst in der Abhängig- 
keit nicht gleichen Schritt gehalten zu haben, so darf es sich auch 
rühmen von den Ausschreitungen, welche dem stürmischen Vorwärts- 
gehen Frankreichs keineswegs erspart waren, in der Hauptsache ver- 
schont geblieben zu sein. Namentlich aber kann Deutschland darauf 
stolz sein, die ihm eigene Innerlichkeit, das Betonen des Wesens der 
Darstellung auch in dem neuen Gewande bewahrt zu haben. Vor-
        

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