Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-532124
700 
Buch. 
VIII. 
CaP- 
Die 
der 
Kunst 
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Europa. 
weiss er die nationale Art zu Gunsten moderner französischer und 
belgischer Vorbilder ganz zu verleugnen. Sonst bannt der magische 
Zauberkreis eines Rembrandt die Mehrzahl der Künstler sowohl in 
dem seltenen Historienbild oder historischen Genre, wie I1. A. Tright 
in seinen Reformationsscenen oder vielmehr Gruppen_ ersehen lässt, 
als im Bildniss und im eigentlichen Genre, in Welchem nur gelegent- 
lich ein Van der Helst oder Ostade eines gleichen Verzuges als 
Vorbild sich erfreut. Diess zeigen die bedeutendsten Kräfte dieser 
Kunstzweige, wie J. Israels und C. Bisschop, bei welchen das Hell- 
dunkel gleichsam als Programm ihrer Bilder sich verdrängt, wogegen 
der Stoff als zufällig zurücktritt, der Gemüthsausdruck aber ganz 
vernachlässigt erscheint. Etwas tiefer stellen sich  und 
H. ten Kate dar, die durch mehr innerliche Durchbildung auch einiges 
gegenständliches Interesse zu erwecken vermögen, während wieder 
andere, wie D. Bles, vorzugsweise auf Zierlichkeit und Delicatesse 
ausgehen. 
In ähnlicher Weise lehnt sich auch die Landschaft an die älteren 
holländer Canal- und lllarinemaler, von deren ganz und gar beherr- 
schendem Einfluss sich nun der tüchtige, aber nach Brüssel über- 
gesiedelte WÜRoeZofs fernehält und J. W. Bilders wie der treffliche 
Marinemeister H. E. van Heemskerck mm Beest einigermassen zu 
emancipiren vermögen. Näher halten sich die bekannten Architeclur- 
maler C. Springer und J. Bosboom an ihre Vorbilder, doch nicht 
ohne eigene Verdienste, jener in der Ansicht, dieser im Interieur. 
Dagegen wagte auch ein A. illauve durch breite Kühnheit die Manier 
der übrigen Wouvermanschüler im Pferdebild zu brechen, wodurch 
auch I-Ienlriette Renner ihren verdienten Ruhm in der Hundemalerei 
erlangte, während T. Baklzzzyseiz mit Erfolg flott und kühn gemalte 
Blumen neben die Zartheit der Huysums und seiner Nachfolger zu 
setzen sich erdreistet. 
Die bei weitem überwiegende Mehrzahl der holländischen Künstler 
unterscheidet sich jedoch kaum von Copisten der Alten, wenn auch 
gegenständlich eine andere Phrase an die Stelle der alten, die eine 
eben so gleichgültig als die andere gesetzt wird. Es ist indess nicht 
zu leugnen, dass es den Holländern gelungen ist, ihre alten Meister 
gründlich kennen zu lernen. 
Den Vortheil einer so reichen Tradition wie die Niederlande 
8911055 England nicht. Dürftig wie ihre gesammte Kunstentwick-
        

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