Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-532001
Arbeitslöhne der Mehraufwand für die Architektur als Kunst ver- 
schwindend sei, und begann der Schönheit der Erscheinung so 
ziemlich allenthalben zu huldigen. Und glücklicherweise Waren die 
Unternehmer nicht genöthigt, dieselbe nach eigenen Heften und in 
eigener Laune zu suchen, da eine grosse Zahl der vorzüglichsten 
Kräfte (vgl. S. 563) zur Verfügung stand, und berühmte Künstler- 
namen ebenso sehr an der Fagade wie in den Wandmalereien und 
Bildersammlungen des Innern auch von materiellem Vortheil schienen. 
Summen, welche man vor einem Jahrzehend als riesig und für den 
Aufwand unentschuldbar betrachtet haben würde, wurden auch in 
den letzten Jahren vor dem sKrachr von den Bauherrn so leicht 
verdient, dass sie das Erschreckende ihres Umfanges verloren. Frei- 
lich ist der ältere Besitz mit mehr Besonnenheit vorgegangen, und 
hat dabei jene Maasshaltung nicht verloren, welche demselben durch 
angeborne Stellung, durch die entsprechende Erziehung und Bildung 
von Haus aus eigen und von geläutertem Geschmacke wie von aller 
wahren Kunst untrennbar ist, während das Capital von gestern, der 
Glückspilz der Börse, stets geneigt ist, die neue Stellung mit mög- 
lichstem Eclat auch architektonisch zu verkünden. Es fehlt daher 
auch nicht an Beispielen von Uelserladungs- und Prunksucht, und 
von Concessionen, welche selbst hochbegabte Künster dieser Tendenz 
und den Anforderungen ihrer Auftraggeber, denen kein Diamant 
mehr gross genug, und keine Ausstattung mehr reich genug war, 
gemacht haben. Es fehlt auch nicht an dem in letzter Zeit aller- 
wärts auftretenden bedenklichen Symptom von Hinneigung zu Barock 
und Rococo, namentlich zu ersterem, in dem Anlehnen an deutsche 
Renaissance wie in französischem Einflusse die vorzüglichste Nahrung 
eempfangend. 
München endlich hat mit dem Neubau des Polytechnikums 
durch Gottf. Neureutlzer seine neue architektonische Aera begonnen. 
Neureuthers Tendenz ist entschiedener Anschluss an die Renaissance 
in jener Entwicklungsphase, in welcher sie ihre Strenge völlig abge- 
streift hat und zu völlig freier Reife gelangt ist (Baldassare Peruzzi). 
Der feine Sinn für Verhältnisse wie für Decorationsformen, welche 
ihm eigen, wird indess noch überwogen von seiner durch keine 
Rücksicht auf Schönheit zu beugenden Bedachtnahme auf den Zweck, 
welcher Umstand den Baukünstler doppelt schätzbar macht. Es 
steht daher auch zu erwarten, dass der ihm übertragene Neubau
        

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