Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-531992
erxxiorlaen, musste hier seit dem epochemachenden Entschluss der 
Ringanlage beinahe mit einem Schlage ausgeführt oder Wenigsteng 
im Entwurf mehr oder weniger festgestellt werden. Monumentale 
Aufgaben jeder Art hielten daher dem Privatbau auch dem Umfange 
nach die Wage, und wurden sogar für den letzteren bestimmend, 
indem man diese dem Palastcharakter möglichst anzupassen suchte. 
Freilich liess die Ausführung gerade der hervorragendsten öffentlichen 
Gebäude, des Bathhauses, des Museums, des Parlamentsgelaäudes, 
der Universität und des Akademiegebäudes, deren Mehrzahl einst 
einen der prachtvollsten Stadttheile nicht blos Wiens, sondern der 
Welt bilden werden, auf sich warten, wenn sie aber auch von der 
Vollendung noch weit entfernt sind, so wirkten doch die öffentlichen 
Cioncurrenzen, Ausstellungen von Modellen u. s. w. immerhin voraus. 
Mehrere Prachtbauten aber stehen seit einigen Jahren vollendet da 
und geben Maasstab und weitgreifende Impulse. Vorab ist als das 
gediegenste von allen bisher fertig gestellten das Musikvereinsgelaäude 
von Teoph. Hainsezz zu nennen, welcher unbedingt als der genialste 
'l'räger der modernen Wiener Architektur bezeichnet werden darf. 
Neben diesem Meisterwerk feinster Renaissance erscheint selbst das 
tüchtige Künstlerhaus, von lliebez" gebaut, kleinlich und unbedeutend. 
und auch das durch seinen prachtvollen Arkadenhof imposante 
Museum für Kunst und Industrie von Ferstel darf, was harmonische 
Vollendung betrifft, dem Musikgebäude nicht völlig ebenbürtig genannt 
werden. Von den-zahlreichen Palastbauten aber ist wieder der Hansen- 
sche Wilhelmspalast dem FerstePst-hen Ludwig-Victor-Palast, das Palais 
Epstein des ersteren dem Palais Wertbheim des letzteren überlegen. 
Ebenso verhält es sich im Zinshausbau, welcher in Wien eine 
in Paris entschieden nicht erreichte Höhe errang. Voran steht in 
dieser Beziehung wieder Hansen mit dem sog. Heinrichsbau, einem 
Iläusercomplex Heinrich Draschds, welcher wohl mit Recht das 
schönste moderne Gebäude der Art in der Welt genannt worden ist 
und tonangebend für die weitere Entwicklung der Architektur der 
Wiener Ring- (Boulevard-) Bauten geworden ist. Das merkwürdige, 
allenfalls nur wegen der zu kleinlichen Eingänge zu tadelnde Haus 
wirkte wahrhaft zauberhaft. Man hatte bereits begonnen, der Frucht- 
barkeit des Baukapitals auch auf dem Ring durch öden und unsoliden 
Kasernenstyl Rechnung zu tragen, als die Erfahrung hier belehrte, 
dass im Vergleich zu den Kosten der Bauplätze, Materialien und
        

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