Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-531981
unsolider Adoptirtlng Schinkel-Stülerscher Detailzierden, so dass bis 
vor Kurzem Berlin mit seiner angeklebten Gyps-, Cement- oder Zink- 
plastik, mit Welcher man die sonstige Oeconomie Wenigstens für 
einige Jahre  wenn nicht schon ein Winter die ganze Herrlichkeit 
zerstörte  zu maskiren pflegte, in der baulichen Dekoration eines 
üblen Rufes genoss. Jetzt werden einerseits die Kosten nicht mehr 
gescheut, Hausteine selbst von grosser Ferne zu beschaffen, wie auch 
dem Backstein und der Terracotta grössere Aufmerksamkeit geschenkt 
wird, um Putz und unsolide Surrogate für Hausteine zu vermeiden. 
Jetzt werden auch namentlich die oberitalienischen Vorbilder der Früh- 
renaissance in Würdigung gezogen, um in Backstein allein oder in 
Verbindung von Haustein und Terracotta Wieder ähnliche Erfolge zu 
erzielen, wie man sie an der lombardischen Architektur bewundert, 
während sonst die ganze Scala der Renaissanceenttvicklung, farblos 
oder in monochromem (Sgraffito) Schmuck bis zur reichsten An- 
Wendung von Malerei in bunten Emailziegeln, Fliesen und Glasmosai- 
ken (Ehe und Benda) sich abspielt. Die Firmen Ende und Böckmmzn, 
Kyllnzann und Heiden, Hevznike und von der Hurle u. a. m. drängen 
die SchinkePsche Schule von einer Position aus der anderen, und 
haben sich mit derselben schon vielfach in den Gegensatz gestellt, 
in Welchem der vielbeschäftigte Praktiker mit den überholten dociren- 
den Theoretikern zu stehen pflegt. Haben auch M. Gropius und 
Schmiezjlen, der erstere zu Bötttichefs hervorragendsten Schülern ge- 
hörend, das Banner der SchinkePschen Richtung und des helleni- 
schen Purismus auch in lebhafter Praxis noch hochgehalten, oder 
Lucae wie Adler ihre theoretische Richtung auch als ausübende 
Künstler zu bethätigen Gelegenheit gehabt, so ist doch unverkennbar, 
dass der Sieg der Renaissance über Classicismus wie über die Romantik 
auch in Berlin entschieden sei. Die Verurtheilung von Ufaesenzznzzfs 
modern romanischem Berliner Rathhause würde sonst nicht so lei- 
denschaftlich heftig und bei anderen öffentlichen Gebäuden roman- 
tischen Styles, wie der Anatomie und dem chemischen Laboratorium 
(von A. Cremer), die Hinneigung zu italienischen der Renaissance 
minder fremden Vorbildern kaum so lebhaft gewesen sein. 
Wien war in seiner neuesten architektonischen Thätigkeit 
gegen Berlin dadurch im Vortheil, dass es ihm nicht an Veran- 
laSSung fehlte den öffentlichen Bau gleichen Schritt mit dem Privat- 
bau halten zu lassen. Das was Berlin seit SchinkePs Tagen allmälig
        

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