Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-531971
wesentlich verändert, und der Architektur als Kunst ist damit ein 
ungleich ausgedehnterer Tummelplatz erwachsen, als jemals vorher. 
Damit wurde aber auch der Baukunst die Richtung von selbst an- 
gewiesen, welche nun, nach vergeblichem Ringen nach einem neuen 
zeitgemässen Styl auf anderen Wegen, in der entschiedensten Wie- 
deraufnahme der Renaissance lag.  
Die classische Richtung mochte den monumentalen Werken pro- 
fanen Zweckes, die romantische den Cultbauten genügen, dem Privat- 
bau bot nur die Renaissance die Mittel zur Deckung des modernen 
Bedürfnisses und einer entsprechenden harmonischen Ausstattung. 
Der Palastbau hatte schon vorher zur Anwendung dieses Styles ge- 
drängt, wobei sich dann auch den Dimensionen und übrigen Ver- 
hältnissen entsprechend die italienische Hochrenaissance als der ge- 
eignetste Ausgangspunkt um so mehr empfahl, als der Classicismus 
zu einer nur in der Hochrenaissance möglichen Substituirung griechi- 
scher Details an die Stelle der von den Cinquecentisten herüber- 
genommenen römischen hinneigte. In Werken grösseren Umfangs 
blieb man auch jetzt im Ganzen bei der Richtung der vhellenischen 
Renaissancea, im kleineren Hausbau dagegen schien die mehr spie- 
lende Decoration der Frührenaissance da, WO die Umstände zu flacher 
Behandlung veranlassten, oder in anderen selteneren Fällen die l1ei- 
tere Ueppigkeit der Barockformgebung vorzuziehen. Wie aber auch 
die französische Renaissance bis zum Rococo gelegentlich herein- 
spielte, so konnte es nicht fehlen, dass nicht minder die deutsche 
Renaissance des 17. Jahrhunderts erst ihre Bewunderer, und dann 
auch ihre Nachahmer fand. So gebrach es keineswegs an Mannig- 
faltigkeit, wie denn überhaupt die seit Langem unbeachtet gebliebenen 
Ableger der Renaissance, jetzt zu ganz neuer Schätzung gelangt, 
studirt und publicirt einen ungeahnten Reichthtirn von Denkmälern 
und brauchbaren Motiven liefern. 
In der architektonischen Entwicklung der Gegenwart stehen 
unter den deutschen Städten Berlin und Wien, Welchen sich unter 
den kleineren Hauptstädten zunächst Stuttgart anreiht, obenan. In 
dem kurzen Zeitraum von nicht vollen zehn Jahren hat. Berlin seine 
Erscheinung wesentlich verändert, und zwar nicht blos durch 59111 
der Mehrung seiner Bevölkerung entsprechend steigendes Wachsen, 
sondern auch durch entschieden grössere Opulenz. Der Pfivatbau 
hatte sich vorher nur in seltenen Fällen weiter "verstiegen, als zu
        

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