Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-531927
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B1 
10h. 
Cap- 
Die neueste 
Plastik. 
ausgestattet, nicht das im Ganzen wieder gut zu machen verstanden 
hätte, was im Einzelnen verletzt. Da es aber der Umriss und nicht die 
plastische Form ist, was am rühmenswerthesten, so ist klar, dass 
der Werth des Werkes in der malerischen und nicht in der plasti- 
schen Auffassung liegt. Sonst sind Begas" Schöpfungen im erotischen 
und Faungebiete am rühmenswerthesten. Das badende Mädchen, 
Venus den Amor tröstend, ein alter Faun sein Söhnchen im Flöten- 
spiel unterweisend, oder ein als Brunnenfigur gedachter verdrossener 
Knabe mit dem Schlauch auf dem Kopf und anderes, sprudeln von 
Leben und von saftiger Frische des Fleisches. Dass Begas als Por- 
trätist nicht minder glücklich, liegt auf der Hand, doch wird ilnn 
selbstverständlich der flotte Brausekopf immer besser gelingen als 
lder gehaltene Denker.  An Begas reihen sich die Namen M. P. 
Otto und L. Sussmcvnn-Hellborva, einer Zahl jüngerer Kräfte nicht zu 
gedenken, welche ihre Kunst erst noch entschiedener zu erproben 
haben. 
In Wien war das neue Evangelium der Realität schon von 
Hans Gasser, geb. 1817 zu Eisentratten in Kärnthen, t "1868 zu 
Pest, verkündet worden. Er hatte seine Studien in München, das 
er in instinktiver Abneigung gegen die Antike Rom vorzog, gemacht, 
jedoch sich Schwanthaler ziemlich ferne gehalten. Das akademische 
Drapirungstvesen und die Verleugnung der Individualität gefielen ihm 
nicht. In Porträtbüsten gelang es ihm jedoch einige Aufmunterung 
zu erfahren; doch zwangen ihn sonst widrige Umstände, namentlich 
seit seiner Rückkehr nach Wien, meist zu decorativen Arbeiten. 
Die Flüchtigkeit und Skizzenhaftigkeit, ja man kann sagen die Un- 
Fähigkeit, einen Entwurf zur völligen Durchbildung zubringen, welche 
den genialen Mann beherrschte, wurden dadurch noch befördert und 
behinderten einen grösseren Erfolg. Im W ielanddenkmal für Weimar, 
dem einzigen eigentlich monumentalen WVerke seiner Hand, befrie- 
digte er auch die Erwartung keineswegs, wie es fast immer geschah, 
sobald er zur Ausführung eines Entwurfes schreiten musste. 
München besitzt seinen hervorragendsten Realisten in ilIiclt. 
Wagmillleßr, welcher jedoch im Porträtfach trotz oder vielleicht wegen 
zahlreicher Aufträge nicht zu der Individualität gelangen konnte, wie. 
man sie von seiner Tendenz erwarten sollte. Dagegen sind seine 
Kindergruppen, das Mädchen mit der Eidechse, die Schmetterling- 
fängerin, oder das Mädchen mit einem Kinde scherzend, von reiz-
        

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