Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-531917
die Hauptsache bleiben und mithin die in derselben erreichbare 
höchste Schönheit. Ohne diese wird die Plastik in den meigfgn 
Fallen auf dem Punkte der Unvollendung zu stehen scheinen , auf 
welchem sich in der Malerei die Skizze befindet, wenn nicht bei 
voller Durchbildung jene unerträgliche Harte entstehen soll, welche 
Gypsabformungen nach dem Leben zeigen. Es ist nicht zu leugnen, 
dass der Realismus in der Bildnerei Leistungen geschaffen, welche 
fesselnd, genial und bedeutend sind; doch dürfen sie nur den Schein 
der YVirklichkeit geben und verlieren sich dadurch von ihrem eigenen 
Gebiete in das der Malerei. Für denjenigen, welchem es klar ge- 
worden, wie allzuplastische Behandlung der Malerei ungehörig oder 
eine dichtende der Musik unzuträglich, der muss auch, trotz der 
modernen Stylvermischung oder richtiger -Verwirrung erkennen, dass 
es auch in der Plastik eine Gränze giebt, welche niemals, also auch 
nicht auf Grund veränderter moderner Anschauungen in unseren 
'l'agen überschritten werden darf. Die stylistischen Grundgesetze 
sind unveränderlich. 
Unter den Begründern der realistisch malerischen Richtung in 
der deutschen Plastik ist als der wichtigste Reinhold Begas, der Sohn 
des oftgenannten Malers Carl Begas, zu bezeichnen. Er hatte seinen 
Ruf 1862 durch die Concurrenz für das Schillerdenkmal vor dem 
Schauspielhause zu Berlin begründet, und, wie bemerkt worden ist, 
nicht wegen, sondern trotz seiner Richtung auch verdient. Das mit 
den vier allegorischen Gestalten der Lyrik, Tragödie, Geschichte und 
Philosophie geschmückte, leider für die mächtige Freitreppe des 
'l'heaters im Hintergrunde zu niedrige Pieelestal trägt des Dichters 
Gestalt, pwelche nur den Mantel etwas zu sehr schleppt, um in der 
Erfindung ganz zu befriedigen. Die Allegorien , weit entfernt etwa 
nur durch ihre Attribute sich zu erkennen zu geben, vcrrathen ihre 
YVesenheit in anschaulicher Weise, doch nicht ohne an der Klippe des 
schmalen Fahrwassers der Charakteristik, nämlich der Karrikatur 
zu streifen. Wenigstens setzt die Philosophie an die Stelle des 
Forscherernstes starre Hässlichkeit, nicht gerade geeignet die Jünger 
der Wissenschaft zur Annäherung an ihr Heiligthum heranzuziehen. 
Die derben Körper-Formen, skizzenhaft behandelt, würden durch die 
schwere Massenhaftigkeit des flott modellirten, aber nichts weniger 
als durchgebildetcn Gewandes geradezu plump erscheinen, wenn der 
geniale Künstler, mit seltenem Sinne für die Gesarnmtsilhouette
        

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