Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-531873
haben, ohne sich an die Münchener Schultradition zu halten, ihren 
selbständigen Weg gesucht, der auf n1ehr innere als akademische 
Bedeutung abzielte und ihre Kunstmittel in originalerer Weise ent- 
faltet. Casp. Zumbusclz zunächst, geb. zu Hergebrock in Westphalen 
1830, vorher mehr in kleineren Arbeiten für Grabdenkmäler und im 
Porträt, das er mit hervorragender Feinfühligkeit zu behandeln wusste, 
bethätigt, hat in der That seinen Sieg in der Concurrenz um das 
Denkmal König Maximilian II. zu München durch die freilich lang- 
wierige Ausführung als völlig berechtigt bewährt, wie das seit einigen 
Wochen die bayerische Hauptstadt zierende Monument selbst schon 
in der ungünstigen Räumlichkeit seiner Ausstellung zu Wien gezeigt 
hat. Die Königsgestalt giebt wieder, was der Widnmannsche König 
Ludwig I. vermissen liess, den Gefeierten als König und als Men- 
schen in seinen öffentlichen wie privaten Eigenschaften, kurz nach 
seinem Wesen, so wie es Rauch in Maximilian I. gelungen War. 
Ausdruck, Haltung und Geberde sind von der vornehmen und doch 
liebenswürdig herablassenden Eleganz, wie sie dem König eigen War, 
nur in der dem Monumentalwerke nothwendigen Weise ins Ideale 
gesteigert. Auch die den Sockel zierenden Gestalten, deren Einzel- 
verdienst vielleicht geringer, zeichnen sich durch ihr Ensemble und 
die Rücksicht auf die Gesamintentivicklung des prachtvollen Piede- 
stals in gelungenster decorativer Anordnung aus. Nicht minder darf 
Zumbusclfs Rumfordstandbild in München zu den besten Werken 
der statuenreichen Hauptstadt gezählt werden. Coma Knall, geb. 
1829 zu Bergzabern, hatte einen mehr romantischen Anlauf genom- 
men. Doch mehr gegenständlich durch die Wahl von Stoffen aus 
der mittelalterlich deutschen Dichtung, indem er in der Form so 
wenig der Fülle classischer Schönheit entrathen wollte wie Meister 
Schwind, mit welchem er manche Verwandtschaft zeigt. Die beiden 
Statuen am alten Rathhause zu München hatten ihn nicht über seine 
Erstlingsarbeit, den Tanhäuserschild, hinausgebracht, als er den Auf- 
trag zum wFischbrunnena in München erhielt. Das alte Volksfest 
des sog. Metzgersprunges gab dazu das Motiv und in schlichter sinniger 
Ausführung, wenn auch nicht in der vollen von dem Gegenstand 
geforderten Lebendigkeit, erscheint die beliebte etwas derbe Kurzweil 
wiedergegeben. Durch die reale Auffassung geht ein feiner Hauch 
von romantischer Idealität, wie denn auch der Formensinn des 
Künstlers da am meisten zu bewundern ist, wo die bizarre Tracht
        

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