Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-531829
werken 
der 
Berliner 
oder 
Dresdener 
Schule 
auch 
entfernt 
VGT- 
glichen werden könnten. Statt mit den wachsenden Dimensionen 
auch an innerem Werthe zu wachsen, vergrössert sich an den ita- 
lienischen lllonumentalwerken mit dem Maasse nur die innere Leere, 
welcher gegenüber eine gewisse Tadellosigkeit der Verhältnisse, des 
Aufbaues, der Silhouette des Ganzen und Einzelnen und der sicheren 
Formensprache im Allgemeinen den Beschauer nicht entschädigen kann. 
Der italienische Künstler arbeitet nemlich seit Jahren grössten- 
theils für den auswärtigen Markt und den gelegentlichen Handel. 
Der kunstfreundliche Lord oder der amerikanische Petroleumfinder 
holt sich in den schwunghaften Werkstätten seinen Schmuck für 
Vestibüle, Treppenhäuser und Salons und braucht dazu weder monu- 
mentale noch tiefere Bedeutung: zierliche Vollendung und zarter 
Formenreiz pflegt dem Besteller oder vielmehr Käufer wie den Gästen 
seines Hauses mehr zu imponiren. Dazu leitet schon die 'l'radition 
des grössten der modernen italienischen Künstler, eines Canova, auf 
diese Fährte. Für die Conception genügt ein ansprechender und 
manchmal überraschender Einfall, für das Thomnodell eine skizzen- 
hafte Behandlung; das Wesentliche ist erst die Ausführung in Mar- 
mor, wobei dann wohl eher alles andere als die Durchgeistigung der 
Gestalten, Welche schon im Modell gewonnen sein muss, nachgetragen 
werden kann. Kein Wunder, dass manche Talente, und solche hat 
gewiss die Heimat des carrarischen Marmors unter den zahlreichen 
Technikern auch viele hervorgebracht, in ihrer sich stets steigernden 
Geschicklichkeit, die ihnen als das zu erstrebende Hauptziel erscheint, 
so zu sagen ersticken. Bei weitem die Mehrzahl der auf den drei 
internationalen Ausstellungen zu Paris, München und Wien von den 
Italienern aufgehäuften Werke glänzten durch überraschende Meister- 
schaft in Uelaerwindung technischer Schwierigkeiten oder durch süss- 
lieh-sinnlichen Formenreiz. Selbst von der gesunden Sinnlichkeit, 
dem Evangelium des Fleisches, welcher man im Gebiete jener Kunst 
noch das Wort reden könnte, der ja äussere Körperschöxiheit so 
wesentlich ist, findet sich selten eine Spur, wie denn tiberhaupt 
Schönheit in koketten Reiz und Vollkommenheit der Form in schwäch- 
liche 
Zierlichkeit 
sich 
verwandelt 
hat. 
Merkwürdig ist, dass entlegene Pflegestätteil der italienischen 
Plastik, wie die beiden Hauptschulen Rom und Mailand sind, Weit 
Weniger Unterschiede aufzuweisen haben, als diess z. B. in Deutsch-
        

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