Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-531801
ausser dem Classicisten Aug. Brovneis ebenfalls im Landschaftsbilde 
einen IKTIIECZFIICII, Müller und Ed. Stiege! zu nennen hat. 
Ein lebhafterer Kunstbetriel) ist übrigens in kleineren Städten 
jetzt vielleicht noch weniger möglich als zuvor. Der Künstler ver- 
mag zwar, nachdem er seine Schule durchlaufen, für sich seine 
landschaftlichen oder Modellstudien für Genre und Historie zu machen, 
aber die Entwicklung und der Fortschritt der Technik verlangen 
ein beständiges Sehen der Productionen der Genossen, und die Schule 
allein ist jetzt weit weniger hiefür genügend als in der vorausgängigen 
Periode. Ueberdiess sind auch mit der Veränderung der Nachfrage 
die kleineren Städte allein schon und abgesehen von anderen Neben- 
gründen wie der Beschränkung der Porträtmalerei durch die Pl1ot0- 
graphie zu grössereln Kunstbetrieb untauglich geworden. Namentlich 
jene, welche abseits vom grossen Verkehr liegend dem auswärtigen 
und man darf sagen internationalen Markte sich entziehen, wie diess 
z. B. in Königsberg der Fall ist. Es ist demnach auch keine Frage, 
dass die Akademie zu Düsseldorf dem Niedergange geweiht ist, und 
dass mit dem Ausscheiden der noch dort wirkenden Meister, eines 
Bendemann, Deger, Knaus, Achenbach u. s. w. trotz der Bemühungen 
der Staatsregierung die Ebbe unverkennbar sein wird. Immerhin 
aber bleibt es noch ein Glück, dass die eigenthümliche politische 
Gestaltung der Länder deutscher Zunge vor einer so aussaugenden 
Clentralisation, wie sie in Frankreich auftritt, bewvahrt, und dass der 
Norden in Berlin, der Osten in Wien, der Süden in München und 
der Westen in Gar]sruhe-Stuttgart-Frankftirt die eigenen blühenden 
Mittelpunkte noch haben und wohl auch behalten werden. Es ist 
diess ein Glück für die Kunst, welche durch die verschiedenen Ein- 
flüsse des landschaftlichen wie Volksgepräges ihre locale Eigenart 
und Mannigfaltigkeit nicht nur bewahren, sondern sogar erweitern 
wird, und ein Glück für die Nation, welche des unzweifelhaften 
Segens des Kunstbetriebs in weit grösserer Ausdehnung theilhaftig 
wird, als diess bei vollkommener Centralisation desselben in unserem 
an künstlerischem Sinne dem französischen Nachbarlande nicht in 
jeder Richtung gleichen Vaterlande der Fall sein könnte. 
        

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