Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-525606
als Kupferstecher in den humoristisch satyrischen Arbeiten, welche 
einen grossen Theil seiner übrigens umfassenden Thätigkeit aus- 
machen, den Hogarth des deutschen Nordens nennen kann und 
durch Welchen die Technik des Stichis, der das ganze 18. Jahrhun- 
dert vorzugsweise und mit Erfolg zugewandt war, ihren glänzenden 
Abschluss findet. Mit ihm verglichen erscheinen J. W Meil (Jr 1805), 
seit 1798 mit F. G. iVcitsclz (T 1828), Direktor der berliner Aka- 
demie, und des ersteren Nachfolger J. Chr. Frisch (t 1815), trockene 
Pedanten und bei wenig fühlbarer Mengs'schen Einwirkung die 
langweiligsten Vertreter des abgelebten Zopfstyls, der sich trotz 
allerhöchster Dekretirung eines neuen Aufschwunges vom Jahre 1800 
selbst noch in unser Jahrhundert hereinschleppte. Mit Recht nennt 
demnach Raczynskit) Berlin bis zum Jahre 1814 in Hinsicht der 
Künste (er versteht darunter hier ohne Zweifel lediglich die Malerei, 
und auch hievon sind Chodowieckys Arbeiten auszunehmen) eine 
Wüste, während Goethe, der sich doch selbst erst allmälig von der 
Schätzung der Zopfkunst abwandte, in den Propyläen (1800) den 
Berliner Künstlern den Vorwurf macht, dass sie ihre Kunst allzu 
prosaisch auffassten. 
Solche abfällige Urtheile verdienen die beiden anderen Künste 
in Berlin weder zu Anfang des Jahrhunderts noch an dessen Ende. 
Denn am Beginn dieses Zeitraums wirkte noch der grosse Scklüter; 
1703 kam das schon erwähnte Denkmal des grossen Churfürsten 
zur Aufstellung und der Schlossbau näherte sich seinem Ende. In 
(lef Innendeßüfäiion fand der Künstler als Bildhauer die mannig- 
fachste Gelegenheit zur Bethätigung. Kamine, Friese, Gesimse, Decken, 
ja selbst das Schnitzwerk der Läden athmen, soweit sie figürliche- 
Zierden enthalten, den Geist der berühmten Masken des Zeughauses 
und verrathen auch im reinen Ornament die sicherste Beherrschung 
und Combination der traditionellen Formen seiner Zeit. Sein Neben- 
buhler und seit 1707 Nachfolger, Freiherr Eosander mit dem Bei- 
namen von Göthc, weil er in Gothland geboren, wie der obenge- 
nannte De Bodt, der seine letzte Thätigkeit im Dienste der Chur- 
fürsten von Sachsen verbrachte, erreichen ihn wenigstens an Ideen- 
fruchtbarkeit und Gediegenheit keineswegs, obwohl ihre technische 
Tüchtigkeit die schnöde Verdrängung des (1714 in Petersburg ver- 
storbenen) Vorgängers vielleicht weniger bereuen liess. 
i") Gesch. d. neueren deutschen Kunst III. Band (1841) Anfang.
        

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