Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-531593
Mit wenigen ausser der Schlachtenmalerei nicht wesentlichen 
Ausnahmen erscheint sonst die gesammte Münchener Vertretung 
rler Historienmalerei im engeren Sinne von Piloty's Atelier oder 
niittelbarem Einfluss abhängig. So kommen Ferd. Wagner, Fcrd. 
Piloty, des Meisters jüngerer Bruder, A. Liezennzcayer und G. F0"- 
linysby dem Haupte der Schule vielfach nahe, ebenso der treffliche 
h'clur0iser, während M. Adamo im Colorit zu unkräftig und H. Schnei- 
der vielfach an Böcklin's Richtung gemahnend bei aller cinquecen- 
tistischen Treue und decorativen Schönheit in der Farbe zu raftinirt 
erscheint und in der neuesten Zeit in barock decorativen Werken 
nahezu an Boucher streift. 
In der Schlachtenhistorie und im militärischen Genre dagegen 
häilt die Adanrsche Tradition, nunmehr durch Franz Adam, geb. 
1818 zu München, vertreten, der Pilotyschen Schule das Gleich- 
gewicht. Als ziemlich selbstständiger und eigenartiger Realist trat 
Th. Horschelt auf, geb. 1829 zu München, i" 1870, der wohl trotz 
seiner Studien bei Rhomberg und Anschütz als Autodidakt betrachtet 
werden kann. Ein seltenes ethnographisehes Interesse liess ihn schon 
von Anfang an seine Motive aus der Ferne holen, ehe er sich noch 
selbst die Kenntniss der afrikanischen wie der pontischen Küsten- 
iiintler durch eigene Anschauung erwerben konnte. Sobald ihm aber 
diess ermöglicht war, und günstige Gelegenheiten 1853 Oran und 
Algier, namentlich aber 1858-63 während der russischen Feldzüge 
den Kaukasus und die Pontuslander ihn gründlich kennen gelehrt, 
blieb er fast ausschliessend bei den Darstellungen aus den kauka- 
sischen Kriegen, wobei seine wunderbaren, an Federzeichnungen 
gjemahnenden Bleistiftcartons durch treue Wahrheit und scharfe 
(Iharakteristik ihm eine ganz selbstständige Stelle im Fache der 
Schlachtenhistorien sicherten. Mehr an. frühere, fast ausschliesslich 
russische Kriegsthaten hielt sich der Russe 11.0. Kotzebue, im Jahre 
1866 durch seine Erstürmung von Narwa unter Peter dem Grossen 
seine geachtete Stellung begründend und bis zu seinem neuesten, 
einen militärischen Eisübergang darstellenden Bilde behauptend. Als 
ein sehr universeller Colorist, Schüler Franz Adam's und Piloty's, 
erscheint der Pole J. Brandt, welcher seine militärischen Sujgtg 
zwar auch vorzugsweise seiner heimischen Geschichte entlehnte, aber 
mehr auf Licht und Farbe und auf archäologische Ausschmückung 
bedacht, die Bedeutung der beiden Genannten nicht erreichte, indess
        

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