Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-531586
wdie gekreuzigte Liartyrerina fand selbst in Paris ungewöhnliche 
Anerkennung; doch liess sich nicht bezweifeln, dass ein grosser 
Theil derselben dem stofflichen lnteresse entsprang: In der That 
erlangten und verdienten auch die nächstfolgenden YVerke nicht die 
gleiche Aufnahme, unter welchen nur wGretchen in der Walpurgis- 
llälßhic und vdie blinde Lampenverkäuferin in den Katakombena über 
das Gebiet des Wunderlichen hinausgeht, dem unter anderem der 
stodte Affea und selbst das neueste Bild, die kLöwenbrauta, in der 
Hauptsache 'l'hierstudien, in beinahe widerwärtiger Weise angehören. 
Im Gebiet der Historie im engeren Sinne stellt sich Willzchn. 
Limlclzsclzlzzidt, als der Sohn des gleichnamigen Cornelianers 1829 
zu München geboren, obenan. Er hatte die Münchener Akademie mit 
der Antwerpener vertauscht und seine Studien in Paris abgeschlossen, 
war jedoch noch unentschlossen hinsichtlich der Fachwahl nach 
Frankfurt zurückgekehrt. Es war ihm dort, wie seinen Genossen 
während des Pariser Aufenthalts, V. Müller und A. Feuerbach, die 
mächtige Wirkung des Gesammttones klar geworden, welchen er 
jedoch im Gegensatz zu der grauen Haltung jener mehr in's Braune 
stimmte, worauf schon seine belgischen Studien hingewirkt zu haben 
scheinen. Von Frankfurt nach München übergesiedelt, erwarb er 
sich bald durch eine Reihe von Historien- und historischen Genre- 
Bildern aus der Reformationszeit ein verdientes Ansehen, indem die 
i)Reformationsversammlung zu Marburgk und die vStiftung der Ge- 
sellschaft Jesue durch ihre ernste, tiefe und gediegene Auffassung 
und Behandlung, wie durch die harmonische Unterordnung der Farbe 
unter den Gesammtton zu den Zierden der Pariser und der Mün- 
chener Ausstellung (1867 und 1869) gehörten. Auch die Genre- 
bilder ))L1Jtl19l' als Schüler im Hause der Frau" Gotta um Brod sin- 
gende, wLuther bei Andreas Proles in der Lehrea und aÜlPiCh von 
Hutteu, französische Ritter in die Flucht jagendc, stellten sich unter 
die besten Werke des historischen Genres und strotzten von Kraft, 
Wahrheit und empfundener Charakteristik. Dagegen leidet ein neue- 
res Historienbild (Wiener Ausstellung), wTod des Prinzen Wilhehn 
des Schweigsamen von Oraniena an einiger Leere der Gomposition 
und allzu momentaner Bewegtheit, während seine aVGDIJS bei der 
Leiche des Adonisk durch einen an Lindenschmidt neuen Ueberganä" 
von der Toncoloristik zu Clontrastexperilnenten nicht gerade erfreu- 
lich tiberrascht hat.
        

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