Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-531522
und Dorothea t) Wahrhaft epochemachend zur Seite. Man kann 
wohl sagen, dass keinem modernen Dichter eine gelungenere Illu- 
stration zu Theil geworden ist als diesem lieblichen Epos in den 
ebenso lieblichen und ebensoweit von classischem Geist durchdrunge- 
nen Gemälden Rambergs, die überhaupt zu dem besten gehören, 
was die Kunst der Neuzeit hervorgebracht hat. Der Einfluss dieser 
Werke, in welchen der Dichter dem Künstler in seltener Feinfühlig- 
keit nachgedichtet, wirkte dann auch auf andere Werke, wie z. B. 
das im eleganten Costüm der Gegenwart gehaltene vLiebesgeständ- 
niss auf dem Sees eine Empiintiungsivahrheit, Poesie und ideale 
Schönheit zeigt, von welcher kein moderner Salonmaler Frankreichs 
oder Belgiens auch nur eine Ahnung hat. Dazu kömmt eine Fein- 
heit der Technik, welche durch des Meisters gründliches Studium 
der Niederländer stets neue Nahrung empfing, denselben aber auch 
verleitete, gelegentlich die eigene Art zu verlassen, um in der Weise 
der Alten und gewissermassen mit fremdem Pinsel zu malen. So 
in dem trefflichcn xNEIClI Tische, einem Concertino in der Weise 
eines Terborch, welches in der Wiener Ausstellung den Urheber 
kaum errathen liess. 
Eine Schule aber konnte ein so eigenartiges Talent trotz dessen 
Vielseitigkeit, die selbst grossen Monumentaliverken i") gewachsen 
war, so Wenig begründen, wie das eines Schwind oder Kaulbach. 
Wenn mancher jüngere oder auch schon entwickelte Künstler seine 
Weise nach dieser oder jener Seite berührte, wie z. B. der begabte 
Th. Pixis, so war diess mehr ein zufälliges Begegnen auf demselben 
Wege, wie eine bewusste Nachfolge. Dazu war auch das Schauspiel 
für die jiingern Kräfte zu verlockend, welches die der Realität oder 
Coloristik huldigenden Künstler in verschiedener Weise darboten und 
damit zeigten, welche Freiheit das neue Evangelium gewährte. Selbst 
das Idealgebiet der Historienmalerei bot durch die noch theilweise 
nachwirkende ältere Tradition wie durch die Uebersiedlung von 
mehreren anderwärts gebildeten Künstlern nach München so grosse 
Mannigfaltigkeit dar, als man nur immer denken konnte. So suchte 
Seibert die alte Idärte mit neuer Coloristik erträglicher zu machen, 
1') Für die Jubiläumsausgabe bei Cotta behufs photographischer Reproduction 
grau in grau hergestellt. 
im) _Der Hof Kaiser Friedrich lI. (Sluximilianeum zu München).
        

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