Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-525581
Rococo daran wegdenken, da es zumeist als eine für sich bestehende 
und auf das Gebäude in structivem Sinne einflusslose Zuthat sich 
darstellt, an dem Zwinger jedoch, wo die Elemente desselben mit 
dem Barocken untheilbar verwachsen erscheinen, niemals. Durch 
diese Einheit aber erhebt sich das Werk ebenso als das bedeutendste 
seiner Zeit über alles, was Deutschland damals hervorbrachte, wie 
einst der Otto-Heinrichsbau über die Leistungen der gesammten 
deutschen Renaissance. Der geniale Architekt ist ein Deutscher, 
III. D. Pöppelivzcnziz (t 1736). 
Verglichen mit diesem Werke lässt ein etwas jüngeres trotz 
Geschicklichkeit und Glück hinsichtlich der Conception und trotz der 
hochbedeutenden Wirkung durch Lage und Silhouette bei näherer 
Betrachtung doch kalt: die katholische Hofkirche. Mit dem Regie- 
rungsantritte August IV. hatte die Vorliebe für die französische 
Kunstrichtung dem italienischen Einflusse den Platz räumen müssen. 
Ein Römer, G. Clziaveri ("t 1770) war mit dem Werke betraut worden, 
und dieser ging, ob aus eigenem Impulse oder veranlasst durch seinen 
Bauherrn in seinen Motiven um einige Jahrzehnte zurück zur maass- 
volleren Haltung des 17. Jahrhunderts. Der bewusste Purismus  
man könnte ihn Archaismus nennen  welcher gleichwohl die 
Manier seiner Zeit nicht ganz verleugnen kann, ist jedoch fühlbar 
und wirkt in dem Grade erkältend, in welchem uns an dem zu 
Anfang der Rococoperiode seit 1711 entstandenen Zwinger die Ur- 
sprünglichkeit der Conception mit ihrem lebhaften Pulsschlage erwär- 
mend berührt. In ähnlicher Lage befindet man sich vor und in der 
von G. Bälzr (T 1738) erbauten Frauenkirche, einem grandiosen 
Kuppelbau, dem sog. japanischen Palais von J. da Bodt und anderen. 
Doch hatte dieses Zurückschauen auf ältere Werke, das in Dresden 
nicht selten unter den kahlen und todten Schöpfungen der um die 
Mitte des Jahrhunderts herrschenden Zopfzeit begegnet, wenigstens 
den Erfolg, den Weg zu dem Umschwung anzubahnen, den wir 
weiterhin zu schildern haben werden. 
Wenden wir uns nach Berlin. Dort hatte Friedrich, der erste 
König von Preussen, mit August dem Starken gewetteifert, auch seine 
Residenz auf den Stand des französischen Vorbildes zu erheben, aber 
mit entschieden geringerem Glück. In der Meinung mit der Grün- 
dung einer Akademie die Kunst an die Ufer der Spree fesseln zu 
können, liess er durch den Holländer A. Terwesten sen. (1- 1711)
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.