Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-531480
behandlung weder der Gomposition noch der coloristischen Harmonie 
des Ganzen Eintrag gethan hat, und dass wenigstens der Eindruck 
der Leiche noch immer mächtig genug ist, um die starke Betonung 
der Nebensachen noch zu überbieten. 
Der Nachtheil der bewegteren Handlung für diese Richtung 
machte sich sogleich geltend in einer anderen Redaktion des Wallen- 
steinbildes, welche der Künstler 1855 für einen amerikanischen 
Kunstfreund schuf. Dabei ist der Moment unmittelbar nach der 
Execution gewählt, Buttler's Leute sind, wie die Attentäter auf dem 
die Ermordung des Herzogs von Guise darstellenden Bilde von De- 
laroche, noch auf dem Schauplatze und in Action, wenigstens der 
Art, dass z. B. einer der Kriegsknechte eben seine bluttriefende Par- 
tisane an einem seidenen Vorhange reinigt. Ob und wie des Künst- 
lers Pariser Studien (1856-1858) weiterhin von Vortheil waren, 
ist schwer zu erkennen; sehen wir aber recht, so verlieren vielmehr 
damals die Effekte an Natürlichkeit und drängen sich um ihrer 
selbst willen in den Vordergrund. Vortheilhafter scheinen wieder- 
holte Romfahrten gewirkt zu haben und Svürden von um so wohl- 
thätigerem Einfluss gewesen sein, wenn Piloty's Neigung zu drama- 
tisch wirksamen Scenen nicht allzusehr auf's tragisch Erschütternde 
gerichtet gewesen wäre. Wie aber die Tragödie auf dem Höhenpunkte 
der inhaltlichen Entwicklung einer lapidaren Sprache bedarf und in 
ihrer idealen Erhebung die volle Durchbildung der Realität nicht 
erträgt, so lässt auch in der bildenden Kunst die Naturwirklichkeit 
der Erscheinung des Einzelnen und Nebensächlichen nicht mehr an den 
Kern und Mittelpunkt des Ganzen glauben, weil dieser nicht mehr zur 
verhältnissmässigen Wahrheit und Bedeutung gesteigert. werden kann. 
Sein erstes Bild classischen Gegenstandes wNero auf den Ruinen 
Romsa (1860) ist durch einen gewissen genrehaften Zug noch in 
einer vergleichsweise glücklichen Lage. Auch war es, da der xSCllUtta 
zum Programm gehörte, noch am meisten zulässig, demselben eine 
hervorsteehende Behandlung zu widmen und einerseits in demselben 
die Reste früherer Herrlichkeit, anderseits, wie in dem Relief mit 
der Wölfin, Bezüge auf die Localität zu geben. Peinlicher ist 
hier die an Piloty's Historienbildern überhaupt störende Aufdring- 
lichkeit untergeordneter Figuren, wie der vorausgehenden Wachen, 
Welche, in coloristischer Breite in den Vordergrund gesetzt, in ein 
noch weit ungehörigeres Uebergewicht gelangen als das leblose Bei-
        

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