Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-531479
vornehmen Milchkinde ihr hinsiechendes eigenes Kind aufsucht (1853), 
schon eine Meisterschaft, welche allgemein überraschte und den 
Künstler sofort in die Reihe der ersten Münchener Maler setzte_ 
Eine tiefe, ergreifende Empfindung und unbedingt verständliche 
Wahrheit der Charakteristik verband sich nemlich n1it einer colo- 
ristischen Technik und Treue der Realität, wie man sie bisher an 
keinem Münchener Meister gesehen hatte. 
Piloty war auf demselben Wege, wie die Belgier, aber ohne 
direkte oder mehr als vorübergehende Einwirkung derselben, zu dem 
Ziele gelangt, wie es an der Scheide seit d. J. 1830 erreicht worden 
war. Um die Verwandtschaft in seinem künstlerischen Entwick- 
lungsgange wie in seinen Zielen mit den Belgiern recht augenfällig 
zu machen, bedurfte es nur der Gelegenheit zu historischen Arbeiten. 
Die erste vermochte nicht in der Weise zu befriedigen, dass die 
Gegner der neuen Richtung aus dem Felde geschlagen werden konn- 
ten: die wGründung der LigaW) (1853) inisslang. Dagegen stellte 
sich der Künstler zwei Jahre später in seinem vSeni vor der Leiche 
Wallensteinsc M) ebenbürtig neben Gallait. Ob des letzteren aSchützen- 
gilde vor den Leichen Egmont's und Horn'sc unmittelbaren Einfluss 
auf unseren Künstler in der Stotfwahl ausgeübt, ist schwer zu sagen, 
jedenfalls ist die realistische Durchbildung des Senibildes noch Weiter 
getrieben als bei den belgischen Meistern. Ich kann nicht sagen 
zum Vortheile des Werkes: Die Darstellung des Beiwerks, der Ge- 
riithc auf dem Tische, der meisten Stoffe u. s. w. bekämpft das 
Interesse an dem eigentlichen Gegenstande siegreich, und es ist 
schwerlich zu glauben, dass ein Beschauer bei den fatalistischen 
Betrachtungen Senfs länger verweilen wird, als bei der Bewunde- 
rung der meisterlichen Behandlung des mobiliaren und geräthlichen 
Beiwerks, welche einem Stilllebenmaler alle Ehre machen würden. 
Wir aber müssen von dem Historienmaler Subordination des Neben- 
sächlichen verlangen, wenn auch in rein passiven Scenen, wie schon 
früher dargelegt ist, die Realität der Behandlung noch am leichte- 
sten zu ertragen ist, weil sie uns durch die längere Dauer der Si- 
tuation zur Beobachtung des Einzelnen Musse gewähren. Es ist 
indess anzuerkennen, dass der entschiedene Realismus der Einzel- 
4') Im Maximili 
 In der Neue: 
aneum zu München. 
1 Pinakothek zu München.
        

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