Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-525573
Deutsche 
Kunst. 
Dresden  
Plastik 
und 
Architektur. 
45 
Anstoss gegeben, und in wenigen Jahrzehnten war die vormals 
düstere und armselige Festungsstadt kaum wieder Zu erkennen- 
August strebte für seine Person hierin keineswegs nach Origi- 
nalität; ihm war vielmehr Frankreich und Versailles im Allgemeinen 
ebenso wie allen bauenden Fürsten dieser Zeit das Vorbild! 81' hätte 
jedoch soviel Selbständigkeit in seinem Wesen, dass er nicht Zum 
Copisten herabsinken konnte. Da wo er seine Intentionen bei Er- 
richtung von Lnstschlössern, öffentlichen Gebäuden, Kirchen u. s. w. 
ungeschickten Händen überantwortete, waren daher auch Missgriife 
unvermeidlich, Welche bei engerem Anschlusse an seine gallischen 
Vorbilder leicht zu umgehen gewesen wären. Dafür aber war er 
um so glücklicher in seinem Lieblingswerke, jenem dem Gedanken 
nach so wunderlichen Festraum, den er als eine Art von Vorhof 
für einen nicht zur Ausführung gelangten Schlossbau gedacht hatte 
und der unter dem höchst unbezeichnenden Namen aZwingere welt- 
bekannt geworden ist: Wenn in neuerer Zeit ä) behauptet wurde, 
dass nach der scharfsinnigen Definition des vBococoa von Semper 
es nicht mehr möglich sei, diese Bezeichnung auf den Zwinger an- 
zuwenden, obwohl ilm Semper selbst  vielleicht nur raus dem 
früheren flüssigen Gebrauch des Wortes, der erst im Erhärten begriffen 
istx als Hococowerk benennt, so dürfte dieser Versetzung des Zwingers 
in den Barockstyl doch nur sehr bedingt beizutreten sein. Denn es 
scheint das grosse Verdienst des Baues gerade in dem Umstande zu 
liegen, dass hier mehr als in irgend einer anderen Architektur- 
schöpfung jener Zeit die rein decorativen Elemente des Rococo in 
die Gonstruktion hineingewachsen und mithin eigentlich architektonisch 
geworden sind. Während sonst Barock- und Rococostyl an den- 
selben Gebäuden nebeneinander aber getrennt ihre Wege gingen, S0 
dass der Architekt etwa mit grösserer Sparsamkeit seiner Hülfslnittel 
dem Decorateur für nachträgliche Ausschmückung nach Vollendung 
seiner Aufgabe das Feld räumte, fasst hier der Architekt die beiden 
Aufgaben harmonisch in einer Hand zusammen, indem er von vorn- 
herein seine Construction auf den Rocococharakter berechnet, und 
die traditionellen Bauglieder auf's innigste mit jenem verbindet. Bei 
den meisten in Rococo behandelten Gebäuden kann lnun Sich Pößllt 
wohl das zierliche Rahmenwerk der Füllungen u. s. w., kurz das 
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in 
Zahn 
der 
trefflichen oben 
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Abhal 
dlung.
        

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