Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-531374
lienische Küstenbilder und selbst Interieurs, z. B. einen Gottesdienst 
am Hochaltar wie in einer Synagoge  hundert Bilder in einem 
Jahrzehent  mit einander wechseln liess und dazu selbst radirte 
und sogar zu seiner Erholung karrikirte, wie er auch das Figürliche 
in seinen Staffagen meisterhaft zu behandeln wusste. Die Breite 
und Kühnheit seines Vortrags, die doch niemals den Eindruck des 
Skizzenhaften macht, die wunderbare Sicherheit der Lichtführung 
wie aller Effekte, die Treue seiner Naturerinnerung sind bezaubernd, 
und alle diese Eigenschaften trotz der riesenhaften Productivität 
ohne Manierirtheit und in steter Steigerung, so dass man stets seine 
neuesten Werke, wie neuerlich das sMotiv von Vliessingenc und 
den sLandungsplatz von OStEHClGK auf der Wiener Ausstellung für 
seine besten hielt. Der stetige Fortschritt ist auch unverkennbar, 
wenn man z. B. die älteren norwegischen Landschaften bei Rac- 
zynski und im Museum zu Frankfurt und Carlsruhe (1834 und 1837) 
mit den folgenden bis zum sOstendek der Nationalgallerie zu Berlin 
von 1866 vergleicht, und es steht auch ein Rückgang bei der frischen 
und, begeisterten Lebendigkeit des Künstlers überhaupt noch nicht 
zu befürchten. 
Nicht so universell und urkräftig angelegt, wie sein Bruder 
und Lehrer, beschränkte sich Oswald Achenbach, geb. 1827 zu 
Düsseldorf, fast ausschliessend auf die italienische Landschaft. Dabei 
erschienen ihm die clässischen Formen des Südens nur als die 
"Fräger der glänzenden Licht- und Farbenwirkungen der Südhälfte 
I-Iesperiens. Von der Campagna und den sie begränzenden Albaner- 
und Sabinerbergen bis Sorrent zeigen eine Fülle von Gemälden be- 
sonders die Glut der Abendsonne unmittelbar vor Untergang, in 
Strassenansichten nicht selten das Zwielicht der Dämmerung in den 
Winkeln, verbunden mit Lampen- und Fackellichteifekten. Die glü- 
henden Farben des Südens lassen ihn freilich dann, wenn er sich 
an deutschen Motiven versucht, den rechten Ton nicht mehr finden, 
wie ihm _überhaupt die individuelle und für jeden einzelnen Fall 
verschiedene Wahrheit der Farbe nicht so eigen ist Wie seinem 
Bruder. 
Selbst die entschiedensten Anhänger der älteren Schule Düsse]- 
dorfs konnten sich dem mächtigen Einflusse Achenbach's nicht ganz 
entziehen. So Th. Kotsclz aus Hannover, welcher, zwischen Lessing 
und Schirnier schwankend, im Sinne Beider an der Kunstschule zu 
Reber, Kunstgeschichte. 49
        

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