Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-531369
sonders die meisterhafte Behandlung der Lüfte bei den niederlän- 
dischen Landschaften lehrten ihn die grossartigen atmosphärischen 
Erscheinungen an den Küsten gründlicher erfassen, als diess seit 
mehr als einem Jahrhundert gelungen war. Doch weit entfernt, 
ihn in den immer misslichen Kreislauf der Nachahmung zu ziehen, 
waren die herrlichen Vorbilder für ihn mehr Sporn als Geleise und 
thaten seiner Originalität keinen Abbruch. Dünen, Schifferdörfer am 
Strand, Rheden u. dgL, Felsenpartliien mit emporgeschletiderter 
Brandung, ja selbst der offene stürmische Ocean mit Schiffen in' 
gefahrvollen Lagen, Wie der aPFäSlClOIIts, der im Polareis zu Grunde 
gegangen sein soll t), werden seitdem seine liebsten Darstellungs- 
objekte. Man braucht nicht den gewaltigen Mann vor einer seiner 
derartigen Skizzen sprechen gehört und gesehen zu haben, um zu 
verstehen, wie sehr er sich die gigantischen Scenen aus der Seele 
geschrieben und mit welcher Lust und Begeisterung er an der be- 
Wegten See arbeitete und aus einem Chaos, mit welchem er leiden- 
schaftlich begann, in's Klare brachte. Da ist nichts von barer 
Geschicklichkeit und von Virtuosenthum, keine Spur von Mache, 
Alles Erguss von kühnster Einbildungskraft, die sich im Schauen 
gesättigt und eine Fülle von Erfahrung und Studien hinter sich 
hat.  Vom Lande behagte ihm wohl am meisten die wilde Natur 
an den norwegischen Fiorden, wobei er nur dann auf den Blick in 
das Weite Meer oder in dessen Buchten verzichtete, wenn rauschende 
Katarakten der skandinavischen Ströme ihn für das Brausen der 
Brandung entschädigten. Wilde Formationen in der Düsterheit des 
nordischen Lichtes, zerrissene Wolken in magischen Licht- und 
Schatteneffekten finden sich fast überall. 
Da bereiste er Italien. Nicht sofort wusste er das Land des 
Classicismus und der Itlealitäit zu bewältigen und seine ersten Schö- 
pfungen sind befangen und unsicher; atber nach zwei Jahren zurück- 
gekehrt, entwickelte seine unerschöpfliche Phantasie aus seinen 
Studienblättern nicht minder Herrliches wie aus den Erinnerungen 
aus dem hohen Norden. Seitdem beherrscht er gewissermassen 
schrankenlos das Reich der Landschaft, indem er Strandbilder, Ma- 
rine in Windstille und Sturm, westphälische oder holländische Ebenen, 
skandinavische Gebirge, Mondeffekte, sicilische Binnenansichten, ita- 
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Carlsrlihe. 
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Museum
        

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