Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-531312
Lebens vom Dorfschmied bis zur Grisette umfassen. Doch ist seine 
Meisterschaft auch in ernsten Darstellungen, wie vdie Spielere, ßdas 
Leichenbegängnissa u. s. w. nicht geringer. Nur scheint der Künstler 
in den letzten Jahren mit der Farbe, als einem ihm vollkommen 
vertrauten Elemente gewissermassen zu spielen, was dem Ganzen 
oft einen etwas verstreuten und unruhigen Eindruck giebt. 
Energischer in Zeichnung und Colorit und seine Inspirationen 
vielmehr von der Scheide als von der Seine empfangend erscheint 
Benj. Vautier, geb. 1829 zu Morges am Genfersee und 1850 nach 
Düsseldorf gelangt, wo er von Jordan gebildet worden. Die damals 
empfangenen belgischen Eindrücke liessen sich auch durch seinen 
Studienaufenthalt in Paris nicht wieder verdrängen. Vautier weiss 
mit einer höchst gediegenen, nur manchmal etwas zu schweren und 
dunklen Coloristik anziehende Formschönheit und sympathischen 
Ausdruck zu verbinden, neigt aber noch mehr als Knaus zum idea- 
listischen Genre. Eine Reihe von Bildern, wie all] der Kirchec, 
xSonntag Nachmittage , vErster Tanzunterricht in einem Schwarz- 
wälder Dorfew), wJung und Alte, sdie Schwesternc und der unter den 
modernen Genrewerken nahezu unvergleichbare vLeichenschmausa tt), 
geben eine solche Fülle von zum Theil mehr als ländlicher weiblicher 
Schönheit, Anmuth und Empfindung, dass trotz der meisterhaften 
Durchführung das ideale Uebergewicht keinen Augenblick in Frage 
gezogen werden kann. Das humoristische Element tritt dabei nicht. 
so stark in den Vordergrund wie bei Knaus, häufiger ein ernstes 
und gelegentlich wie im wBauer und ltiäklera sogar an's Tendenziöse 
streifendes Motiv. Denn selbst in Scencn, welche zu Witz und Satyre 
reichliche Gelegenheit gaben, wie im xToast auf das Brautpaare 
wZweckessenc, wBauer beim Advokatenc u. s. w. überwiegt die treue 
Sachlichkeit der Auffassung und das Bestreben die Erscheinung seiner 
Gestalten in Jugend wie in Alter zu einer gewissen Idealität zu 
steigern. Darin aber, dass diess geschehen konnte, ohne dem der 
Situation entsprechenden Ausdruck wehe zu thun , liegt die Stärke 
des Künstlers, welche z. B. die Trauer der Wittwc beim Leichen- 
schmause oder die Besorgniss der jugendlichen Mutter im Bauer und 
Makler zu rührender Schönheit zu entwickeln vermochte. 
In der Nationalgallerie zu Berlin. 
Im Wiallraf" Bichartfschen hluseum 
ZU 
Cö
        

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