Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-525558
räuherischen Entführungen und zärtlichen Heimsuchungen, die Lieb- 
lingsgruiaiaen der Gartensculpttir. Ariadne und Bacchus, Diana und 
Endymion, Zephyr und Flora, Hercules und Jole, Nessus und Deia- 
nira spiegelten sich im Weiher und versteckten sich in den NiSCIISH 
der grünen Architektur.   Seit Berninfs Raub der Proserpina ge- 
nossen diese Scenen besondere Gunst und wurden unendlich variirt: 
sie gaben Gelegenheit zu pyramidaler Aufthürmting der Gruppe, zu 
sehwindelndem Schweben und zu allerhand lüsternen hinauf- und 
hinabgehencleri Bewegungen. Ueberall war man in Gesellschaft 
Ovids und der alten Götter, nur waren sie aus den hellen, stillen 
Höhen des Olymp etwas heruntergefallen in die Sphäre der Goulissen, 
des Boudoirs, der AlkOVGHA 
Fanden vermeintliche Kunstkenner und sämmtliche Liebhaber 
in diesen Werken selbst die Alten übertroffen, welche von Bewegung 
und von Fleisch, namentlich aber von der realen Wesenheit der 
Kinder keine Ahnung gehabt haben sollten, so war es nicht zu ver- 
wundern, wenn auch die deutschen Bildhauer Dresdens bei solchen 
Werken in die Schule gingen. Die hervorragenderen von diesen 
waren B. Pcrmoser aus Kammerau  1732) und dessen Schüler 
P. Egell (T 1752 als churpfälzischer Hofbildhauer). 
Die meisten von den Schöpfungen der Genannten sind dahin 
und verfielen  ein Glück für sie,'noch in der Zeit ihrer Berühmt- 
heit unterzugehen  zum grossen Thcil der Zerstörung nicht lange 
nach ihrer Aufstellung, nemlich bei der Belagerung Dresdens 1759. 
Der geringe Rest wurde vor einigen Jahren als Gerümpel an eng- 
lische Liebhaber veräussert. In zahlreichen Werken dagegen erhalten 
und vielleicht noch mehr als ehedem geschätzt ist eine Gattung von 
Kleinplastik, welche der Bococokunst ganz und gar entsprach, nem- 
lich die Porzellanbildnerei. Man kann sagen, dass Sachsen in diesen 
Dingen die Palme gewann und sich damit neben die französischen 
Galanteriewaaren stellen konnte. Wenigstens erscheinen diese in 
Gostüm, 'l'anzgrazie und verführerischer Salonsüsslichkeit ganz der 
Wirklichkeit entnommenen und nur in unnachahmlicher Hofnoblesse 
und Zierlichkeit st.ylisirten arkadischen Idyllen in demselben Verhält- 
nisse zu der Monunientalplastik der BerninCSkß-n, in Welchem die 
Watteau's und Boucher's zu den Malern des sogen. grossen Styls 
und den Nachfolgern Lebrunß stehen. Der hervorragendste Künstler 
in dieser kurz vorher entdeckten Materie war J. J. Ifäiizdler, geb. 1706
        

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