Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-531172
wäre er direkt aus Quentin )Ietsys' Atelier entsprungen. Nur tiefer 
und bedeutsamer als jener und mit der entschiedensten Rücksichts- 
losigkeit in Betracht der Schönheit, so dass die männlichen Köpfe 
nicht selten bis zur Hässlichkeit individualisirt erscheinen. Dabei ist 
der Luftton vermieden und die Perspektive wohl nicht ohne Absicht 
so kümmerlich und steil, dass z. B. die stark prononcirten Kiesel 
des Strassenpflasters fast von oben gesehen erscheinen. Nicht min- 
der bezeichnend für die Tendenz des Künstlers, seinem Gegenstande 
die Auffassung im Sinne der jeweiligen Zeit anzupassen, sind zwei 
Künstlergenres wAlbrecht Dürer zeichnet bei seinem Aufenthalt in 
Antwerpen das Bildniss des Erasmus von Rotterdama und sFranz 
Floris verkauft sein jüngstes Gerichtaf), das erstere wie ein Dürefscher 
Stich, das letztere in der gemischten Weise Floris de Vriendtls hart 
und rothbraun in der Farbe. 
Das Leys'sche Princip hat so viel Ansprechendes und die Er- 
scheinung seiner Werke so viel Fesselndes, dass es nicht an einer 
Nachfolge seiner Richtung fehlen konnte. Es war jedoch unvermeid- 
lich, dass die Nachtreter sich auf manieristische Imitation warfen 
und dass Leys' derbe Charakteristik geradezu in Rohheit, absichtliche 
Unbeholfenheit und Schwerfalligkeit ausartete. Leys erstrebte es 
nicht, mit seinen Werken zu täuschen und den Eindruck von Schöp- 
fungen früherer Jahrhunderte zu machen. Ein solcher romantischer 
Archaismus wurde aber die Tendenz der Mehrzahl seiner Nachfolger. 
Eine rühmliche Ausnahme bildet Jos. Lies, geb. zu Antwerpen 1821, 
i" 1865, dessen DBEIldUlII VII. bestraft einen gewaltthätigen Edel- 
manx, oder wder Feind nahtaft), zwar die strenge Entschiedenheit 
ohne alle Rücksicht auf Schönheit wie sie sein Meister in derartigen 
Werken anstrebt, aber jene Selbstständigkeit zeigen, welche den Ge- 
danken ganz für sich zum Ausdruck bringt, ohne die Form dafür 
von anderen zu entlehnen. Allzu eng schlossen sich an ihn V. Lagye 
und Fr. Vinck an, welche sich übrigens fast ganz auf Genredar- 
Stellungen beschränkten. Die Gebrüder Albrecht und Jiolian de Vrieizdt 
aber, welche gleichfalls vom Studium der alten Handflächen MßiSter 
 Das erstere von 1857 in der 
1869 im Palais Prinz Oranien. 
i") Das erstere im Palais Ducal 
Antwerpen. 
Nationalgallerie zu Berlin 
zu Brüssel; das zweite 
das zweite 
m Museum 
V01] 
 Zl]
        

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