Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-531165
erwählte; und da er bald für diese eine besondere Vorliebe gewann 
und sie auch in monumentaler Weise zu bethätigen Gelegenheit fand, 
so bildete er sich hiefür seinen eigenen Styl, der auf der Van Eyclä- 
schen Schule basirte, aber seine Inspiration sogar noch aus früherer 
Zeit durch Fresken und Miniatüren empfing. Denn ohne auf die 
delicate Durchführung der altflandrischen Schule einzugehen, strebte 
er vielmehr nach jener bestimmten biderben Formgebung im Con- 
tur, Wie sie dem Mittelalter eigen ist und nach einer möglichst 
schlichten Anordnung und Wiedergabe des Gegenstandes, getreu der 
Haltung der Chroniken jener Zeit, ohne sie erst durch eine moderne 
Uebersetzung zu ziehen, aufzuputzen und zu verwässern. Sieamuthen 
uns an, wie eine neue Textausgabe eines Werkes aus dem vier- 
zehnten oder fünfzehnten Jahrhundert, zu deren Genuss ein Heraus- 
treten aus den modernen Anschauungen weit nothwendiger ist als 
zur Lektüre einer modernen Geschichtsdarstellung des Mittelalters. 
In entschiedener Abneigung gegen die classicistischen und ita- 
lienischen Einflüsse, welche die eigenartige Entwicklung der nieder- 
ländischen Kunst unterbrach, suchte er dann nach der Form, wie 
sie aus der letzteren hervorgehen musste, wenn eine solche Ein- 
wirkung nicht Platz gegriffen hätte, wobei er sich freilich der Berück- 
sichtigung der deutschen Cinquecentisten, der schwäbischen, nürn- 
bergischen und sächsischen Schule nicht entziehen konnte. Die 
1866 vollendeten Gemälde im Stadthaussaal zu Antwerpen geben 
davon die Lösung. aKarl V. auf die niederländischen Freiheiten 
den Eid leistende, wLanceloot von Urselea, adie Niederlassung der 
Familie Pallavicinic, und xMargaretha von Parma die Schlüssel 
zurückgebendc zeigen einen solchen von allen romanischen Einflüssen 
unberührt gebliebenen Styl. Die etwas knöcherne, harte und derbe 
Kraft der Männer, die züchtige und von aller theatralischen Mimik 
freie Schönheit der Frauen und Kinder, die ernste, tiefe und markige 
Farbe ohne alle modernen Effekte sind, wenn auch manchmal die 
Absichtlichkeit hinsichtlich der Wiedergabe der nachgedunkelten 
Patina des Alters nicht zu verkennen ist, doch entschieden mehr 
als archaistische Nachahmungen alter Vorbilder. Leys hat sich 
bemüht mit den Augen der alten Meister zu sehen, sich aber einer 
äusserlichen Nachahmung ihrer Mängel und Formgebrechen enthalten. 
Gleich als ob er niemals die ldealgestalten der Antike und Cler 
Italiener geschaut, charakterisirt er seine Gestalten und Köpfe, als
        

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