Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-531140
Künstler seiner Phantasie weit über alles Maass hinaus die Zügel 
schiessen liess, zeigt der Selbstmörder, welcher sich zwischen seinem 
guten und dem bösen Geist stehend eben eine Kugel durch den Kopf 
jagt; oder sSoufflet d'une dame belgea (eine nackte Frau erschiesst 
einen Soldaten), und wPensees et visions d'une tete coupeea, Wobei 
in drei Bildern geradezu die Gehirnthätigkeit eines Verbrechers un- 
mittelbar vor, während und nach dem Executionsmoment zur bild- 
lichen Darstellung kömmt. Die Kritik  und eine solche wird trotz 
Wiertz" Ziveifelt) nicht ausgeschlossen werden können, verurtheilt 
natürlich derlei Ausgeburten einer überhitzten Einbildungskraft, die 
sich übrigens auch nur "ein Künstler erlauben durfte, der sich sonst 
als hleister nach verschiedenen Richtungen hin bewährt hat. Die 
all. Familiee z. B. kann als Gegenstück zum Rubensbilde zu Ant- 
werpen, seine vKreuzabnahmek eines Van Dyck würdig bezeichnet 
werden, während seine realistischen Versuche, wie das von der krei- 
schenden Mutter den Flammen entrissene Kind, die Kindsmörderin 
oder der sAppel a la Bienfaisancek, eine Taglöhnersfamilie im Ho- 
mente der Wegbringilng des väterlichen Sarges darstellend, eine 
wirklich erschütternde YVahrheit, die Modellstudien endlich eine sel- 
tene Frische und Lebendigkeit des Colorits zeigen. 
Während aber Wiertz seine unleugbare Genialität in phantasti- 
schen Experimenten verzettelte oder erstickte und seine eminente Be- 
gabung für monumentale und ideale Kunst nicht zur vollen Ent- 
Wicklung brachte , fehlte es doch auch in Belgien so wenig wie in 
Frankreich an Künstlern , welche die ideale Richtung im Sinne der 
christlichen Tradition cultivirten. Obenan steht G. Guffens, geb. zu 
Hasselt 1823, mit seinem Genossen J. Swerts so unzertrennlich ver- 
bunden, dass beide Namen beinahe zur untheilbaren Künstler- 
einheit geworden sind. Nicht unbeeinflusst von dem coloristischen 
Aufschwunge ihrer Heimat enthielten sie sich gleichwohl aller rea- 
listischen Bestrebungen und blieben bei dem strengen Styl der Zeich- 
nung und Composition der Italiener des Quatr0- und Cinquecento in 
der Weise der deutschen Romantiker und vorab eines Gornelius. 
Naturgemäss war ihre Richtung dem Cultbilde und der Allegorie 
angemessener als die eines Wappers, und selbst monumentale Dar- 
äk 
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possible 
„La critique en matiäre de peinture est-elle 
n Musäe Wiertz befindliches Selbstbildniss. 
schrieb 
unter
        

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