Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-531102
tung und ZWüP in noch höherem Grade als in Biefve's Compromiss, 
da die Versannnlung aus Fürsten und Würdenträgern der Kirche 
den Reiz reicher Mannigfaltigkeit mit sich brachte. Statt also die 
Wahl des Künstlers zu tadeln und daran zu rügen, dass die colo- 
ristische Bravour das einzig Werthvolle an dieser Thronentsagungt) 
sei, und die Handlung zurücktrete, wollen wir lieber festhalten, dass 
die coloristische Richtung und technische Vollendung solcher mehr 
passiver Gegenstände bedürfe, um sich wahrheitsgemäss und har- 
monisch entfalten zu können, und dass des Künstlers Erfolg ein 
ungleich geringerer gewesen wäre, Wenn er eine in hellen Flammen 
auflodernde Leidenschaft mit entsprechenden Geberden gewählt hätte. 
Nicht als Historienmaler höheren Styls, nicht durch die Grösse der 
Erfindung und Composition hat der belgische Meister jenen ausser- 
ordentlichen Erfolg errungen, sondern als Maler im engeren Sinne 
durch das unbestreitbare Uebergewicht seiner coloristischen Voll- 
endung und eminenten Beherrschung aller künstlerischen Mittel. 
Der Triumphzug beider besprochenen Werke Biefve's und Gal- 
lait's fällt in's Jahr 1843. Zehn Jahre später machte ein Weiteres 
Bild Gallaitls xdie Schützengilde von Brüssel erweist den Grafen 
Egmont und Horn die letzte Ehrec, in Deutschland die Runde. Die 
Wirkung des ersteren hatte sich mittlerweile bereits auf tausend 
Paletten ergossen, und man trat dem Werke mit weniger Ueber- 
raschung, aber mit tingeniinderter Bewunderung gegenüber. Die 
prunkhafte coloristische Aeusserlichkeit des erstern erschien zurück- 
gezogen vor der gesteigerten Innerlichkeit, vor dem packenden Ge- 
sammteindruck, der sich jetzt aus der dunkeln Farbestilnmung, in 
welche der ganze Vortrag getaucht erschien, ergreifend herauslöste. 
Während über die coloristische Haltung und vollendete Meisterschaft 
nur eine Stimme herrschte, klammerte sich die Discussion fast aus- 
schliessend an den Gegenstand. Die Gegner der ganzen Richtung 
sprachen von Cadavermalerei, und selbst die begeisterten Vertreter 
der Gallaiüschen Kunst konnten über die Leichenparade nicht hin- 
wegkommen. Man hat die Ausstellung der Leichen der beiden Grafen 
mit der Pariser Morgue zusammengestellt: das heisst so viel als einen 
verkommenen Wüstling mit einem edlen Martyrer auf eine Linie 
 Im Palais de J ustice zu Brüssel; in verkleinerter Nachbildung im StädePschen 
Museum zu Frankfurt.
        

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