Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-531098
mit xChristi Heilung eines Blindenc im Salon zu Brüssel noch keine 
Aufmerksamkeit erregt, da der Kampf der extremen Parteien zwi- 
schen der rein coloristischen Richtung, wie sie mit all der Ueber- 
treibung einer durchschlagenden Neuerung in sich überstürzender 
Hast aus dem Auftreten Wappers' erwachsen War, einerseits, und 
dem alten Classicismus und Idealismus anderseits einem in gehal- 
tener lllässigung reifenden Mittelweg keinen Raum liess. Doch schon 
1836 als jene Gegensätze sich einigermassen gemildert und der ex- 
clusive Idealismus seine Position ganz verloren hatte, fanden Gallaifs 
gefangener T asso und sein Job die ihnen selbst in Paris nicht ent- 
gangene Beachtung und der Künstler seinen verdienten Rang neben 
Wappers und unter den beiden anderen Hauptvertretern der neuen 
belgischen Schule. Sie zeigten, wie auch das reine Genrebild sdie 
Reuigea, den Hauptwerth auf den Ausdruck der Empfindung und 
somit auf den seelischen Inhalt gelegt. Dabei tritt die Action 
zurück, welche niemals zugleich der Träger der Empfindung sein 
kann, ohne dass der einen oder anderen Eintrag geschähe und 
Erstarrung erwüchse. Der dramatische Moment ist zu flüchtiger 
Natur, als dass er die realistische und coloristische Festigung und! 
dazu die seelische Durchbildung ertrüge, ohne gewissermassen zum 
Petrefakt zu werden. Nur wenn eine entschieden ideale Behand- 
lung die Darstellung der Wirklichkeit entrückt, oder in realistischer 
Auffassung ein mehr skizzenhafter Vortrag der raschen Flüchtigkeit 
des Momentes entspricht, ist der Höhenpunkt einer Handlung überhaupt 
darstellbar; in allen übrigen Fäillen erscheint ein mehr zuständliches 
Vorher, das jedoch der Erkenntniss der weiteren Entwicklung mög- 
lichst weite Perspectiven eröffnet, der geeignetste Stoff für die ge- 
schichtliche Darstellung. Konnte daher Lessing seiner Zeit den 
wfruchtbaren Momente empfehlen, so ist für die moderne Kunst die 
fruchtbare Entwicklungsphase, welche Denken und Empfinden Raum 
und Zeit lässt, der geeignetste Vorwurf. 
S0 lag in Carl V. Uebergabe der Krone an seinen Sohn Philipp II. 
der Keim zu den folgenschweren Conflikten der Niederlande mit 
Spanien, in dem Martyrium Egmonfs und Horn's der Anfang des 
offenen Abfalls der nordöstlichen Provinzen. Die überwiegende 
Passivität jeder Geremonie und die mit derselben verbundene Re- 
präsentation bot eine im Wesen des Stoffes liegende und somit durch 
sich selbst gerechtfertigte Gelegenheit zu coloristischer Prachtentfa]-
        

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