Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-531034
haupt nicht gekannt hat. Den Schlüssel dazu hatte Marilhat der 
Orient und besonders Aegypten gegeben, wäthrend Corot nach itatieni- 
Sehen Studien in der Heimat selbst und besonders um Paris seine 
epoehemachende Richtung fand. Des Letzteren Gemälde sind durch- 
aus ideale Compositioncn ohne einen bestimmten provinziellen Cha- 
rakter; allein es liegt. der Duftschleier von Isle de Franee, jener 
lichtsatte Dunstäther, welcher die unerreichbaren die N ordhälfte Frank- 
reichs auszeiehnenden Fernenwirktmgen giebt, über allen: 
Wie aber diese Richtung laarallel mit derjenigen Delaroches 
geht, so hat auch der baare prosaische Realismus der neuesten Zeit, 
den wir in Courbet und Genossen ausgeprägt gesehen, in der Land- 
schaft sein Seitenstück gefunden. Die Darstellung kehrte zurück zu 
den trnscheinbaren Stoffen der Romantiker und Coloristen; aber 
nicht mehr Lieht oder Farbe, nicht mehr die eigenartige elementare 
Stimmung, sondern die nackte Wahrheit und absolut treue Wieder- 
gabe der Wirklichkeit ist das Ziel. Wenn es richtig wäre, was aber 
jede gesunde Aesthetik wird bestreiten müssen, dass die Schönheit 
voll und ganz in der Natur liege und die Phantasie nichts hinzuzu- 
fügen brauche, so würde der Weg der richtige sein; wenn es aber 
eine höhere Schönheit giebt als das Wandelbare Spiel der Natur, das 
in Form und Farbe von ganz anderen Gesetzen als von jenem der 
Schönheit, nemlich von dem Gesetze des Werdens und Vergehens, 
bedingt ist, so kann der reine Realismus zwar als eine bedeutungs- 
volle Schule, nimmermehr aber als das letzte Wort betrachtet werden, 
welches die Kunst zu sprechen hat.  
        

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