Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-530960
Ein drittes Hauptwerk, sdie Fischer von Chioggiaa steht den beiden 
etwas nach, und es ist nicht unwahrscheinlich, dass das Verzweifeln 
des Künstlers an der Möglichkeit Weiterer Fortschritte ebenso grossen 
Antheil an seinem traurigen Ende hat, als die unglückliche Liebe 
zur Prinzessin Carlotta, der Schwägerin Napoleons III. 
Die Roberfsche Idealisirung des italienischen Volkslebens blieb 
nicht ohne Nachfolger, wie sich ihr selbst Delaroche nicht entziehen 
konnte. V. Schnetz, Cl. Bomzefond, R. Lehmann, traten in seine 
Fussstapfen, und besonders den in Paris ihre Ausbildung suchenden 
Deutschen, wie dem Stuttgarter Carl Müller, musste Robert's Rich- 
tung entsprechen. Neben dein orientalischen Sittenbilde aber konnte 
das italienische freilich nur dann seinen Platz behaupten, wenn es 
auch den seit den vierziger Jahren gesteigerten coloristischen An- 
sprüchen gerecht wurde, wie diess, wenngleich nicht ohne Einbusse 
in Hinsicht auf die Formgebung, E. Hebert gelang, der aus der 
Schule Delaroches gekommen war. 
Die weitere Entwicklung der französischen Malerei, wie sie in 
der Zeit des zweiten Kaiserreichs sich darstellt, wurzelt im Wesent- 
liehen in der Schule Delaroches Doch ist von nun an von der 
Geschlossenheit der Kunstauffassung oder von einem bestimmt aus- 
geprägten Gegensatze der zwei Hauptrichtungen des Realismus und 
Idealismus, wie er sich bis Delaroche unter den Panieren Gericault- 
Delacroix und Ingres erhalten hatte, nicht mehr zu reden. Die zwei 
mäcbtigenxStröme jener beiden Richtungen haben sich in ein Bett 
ergossen, um bald darauf wieder in eine Unzahl von Armen ausein- 
ander zu zweigen, in einer Art von flacher Deltabildung der Realität, 
Welche letztere den oft trüben und manchmal rasch versiegenden 
Canälon den einzig gemeinsamen Charakter verleiht. Dass der 
sonstige Hauptstrom, das Gebiet des Idealen und der Geschichte, 
zum iirmlichstcn Rinnsal verschrumpfte, war in der Periode der 
Blasirtheit und Grisettcnwirthschaft nicht anders zu erwarten; wie 
der Nation, so waren auch der Kunst die Ideale ausgegangen. In 
der Vorliebe für die Darstellung der Sinnlichkeit auch im monu- 
mentalen Maassstabe lag sogar der entscbiedenste innere Widerspruch 
gegen alle Wahre Idealität, wie in der Bevorzugung der Stoffe aus 
den Zeitaltern der Decadence der ganze Hautgout der modernen 
Monumentalkunst sich aussprach. So hoben sich ein Th. Couture 
(8911 1815), ein P. Baudry (geb. 1828) und ein A. Cabanel (geb.
        

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