Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-530909
Stoffen aus früheren Jahrhunderten möglich, da die aussere CIoi-rekl- 
heit die ganze Aufmerksamkeit des Künstlers fesseln und das Stu- 
dium des äusseren Alaparates nothwendig überwiegend in Anspruch 
nehmen musste. 
Die Realität der Gesehichtsdarstellung konnte mehr als anti- 
quarische Bedeutung erst gewinnen, als die Gleichzeitigkeit und die 
unmittelbare Anschauung der Stoffe zu Hilfe kam, d. h. als die 
neueste Geschichte selbst zum Darstellungsolnjekte wurde. Dies war 
in der napoleonischen Zeit durch die gewaltigen Ereignisse nahe 
genug gelegt worden; allein der alleinherrsehende Classicismus hatte 
der Verherrlichung der napoleonischen "Fhaten den Weg sehr 
erschwert, wenn auch die damals gestellten Aufgaben nicht ohne 
Einfluss auf den Durchbruch der realistischen Richtung geblieben 
sind (Gros). Seitdem waren in der französischen Geschichte grosse 
Thaten nicht mehr zu verherrlichen gewesen. Erst zu Anfang der 
Juliregierung erwuchs mit den afrikanischen Kriegen wieder erwünsehter 
Stoff für eine der Regierung günstige Beschäftigung der öffentlichen 
Stimmung wie für die Geschichtsdarstellung, der letzteren doppelt zu- 
sagend, da der Zusammenstoss mit orientalischen Völkern ungleich 
mehr malerische Motive darbieten musste, als dies die Uniformirungs- 
unterschiede europäiischer Völker möglich gemacht hätten. Die orlea- 
nistische Regierung konnte nicht verlangen, dass dabei der Bürger- 
könig ebenso wie einst Napoleon I. an die Spitze gestellt werde. 
wenn auch die Prinzen sich bei der Affaire ehrenvoll bethätigt 
haben, und so war die Kunst Homce Vernefs (geb. 1789, 1' 1863) 
im Gegensatz zu der Gros' der Xierherrlichung der französischen 
Armee gewidmet. 
Vernet war schon in den Zeiten der Restauration mit Vorliebe 
dem Soldatenleben nachgegangen und hatte  freilich in mehr 
genrehafter und romantisch anregender Weise  den Troupier zu 
seinem Lieblingsgegenstande gemacht. Man kann sogar sagen, dass 
in seinen früheren Bildern, wie in dem wSoldat von Waterloo in 
schmerzliche Betrachtungen versunkene oder dem in_ Friedenszeit 
alte Waffenstücke aufpflügcnden vsoldat laboureurx, David'scl1e Ideen 
in moderner Uebertragung ausklingen. Gericault hatte damals eben 
dem Realismus die Bahn eröffnet und Vernet ergriff mit Geschick 
die neue Richtung. Realist, Romantiker und Soldat durch und 
durch konnte er auch zunächst aus der Erinnerung seiner Jugend
        

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