Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-530816
Übfigw 
Deutschland. 
Gottf. 
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Sa 
569 
mach Wien berufen werden war, hat leider manche Verzögerung; 
erfahren müssen; doch scheinen jetzt die hauptsitchlichsten Hinder- 
nisse überwunden zu sein. Möge es dem greisen und verdienten 
Künstler vergönnt sein, die Vollendung dieser Werke zu erleben, 
welche nicht verfehlen werden, in Wien und selbst in Deutschland 
ein bedeutsames Gegengewicht gegen architektonische Entartung und 
Verwiltlerung zu bi1den_ 
Vergleicht man die architektonische Entwicklung der deutschen 
Hauptstädte in dieser Periode in Bezug auf deren Abschlus, so wird 
man die Grenzlinie zwischen derselben und der unmittelbaren Gegen- 
wart nur an Wenigen Stellen entdecken. In Berlin namentlich 
erscheint die Bauthätigkeit im Flusse einer ununterbrochenen Tradi- 
tion, während in Wien der Aufschwung der Gegenwart zum Theil 
als eine zeitliche Verschiebung; und verspätete Entwicklung zu be- 
trachten ist. Wenn aber auch der Eintritt der neuen Epoche in 
München allein deutlich sichtbar und die ältere Periode von den 
Schöpfungen der Gegenwart leicht zu unterscheiden ist, so ist doch 
bei näherer Betrachtung auch an den übrigen Kunstplätzen der neue 
Geist nicht zu verkennen. Denn während in der eben behandelten 
Periode analog der übrigen Kunst eine historische Tendenz vor- 
herrscht, welche zu möglichst engem Anlehnen an Vorbilder des 
Alterthums und Mittelalters drängt, und den Baukünstler lieber mit 
Zweck und Bedürfniss als mit der durch Vorbilder zu helegenden 
Mustergültigkeit in Conflict kommen lässt: trägt die Gegenivart wie 
in der Malerei so auch in der Architektur das charakteristische 
Gepräge der Unmittelbarkeit und Individualität, und zwar unbeein- 
trächtigt von der erwählten Lieblingsgrundlage, der Kunst der Renais- 
sance, welche vielmehr, ohne kanonische Constructions- und Plan- 
Zwang wie sie ist,_ die Freiheit am meisten begünstigt und Selbäl 
der Antike wie den mittelalterlichen Stylen gegenüber an sich spezi- 
fisch modern ist.
        

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