Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-525509
Deutschland ganz einflusslosen, dagegen selbst ganz unter deutschen, 
holländischen und französischen Einflüssen stehenden Ländern Däne- 
mark und Skandinavien zu verweilen, von welchen das erstere 
zu Kopenhagen zwar eine blühende Akademie aber keine Kunst- 
blüthe besass, während in Skandinavien frühzeitig einiger Sinn für 
den Glassicismus dem Wiedererwachen der Plastik Vorschub leistet, 
werfen wir noch einen Blick auf England, dessen von seiner Dy- 
nastie ganz unabhängig zunehmender politischer Aufschwung wenig- 
stens zu lebhaftem Kunstbetrieil) anregen musste. Die Kunstlieb- 
haberei warf sich zwar in noch höherem Grade als diess namentlich 
an den deutschen Höfen in jener Zeit geschah, auf das Sammeln 
älterer Meisterwerke; doch erfreute sich auch die eigene Production 
einer Theilnahme, die den Leistungen mindestens adäquat war. In 
der Malerei zwar ging noch immer der Anstoss, wie im 16. Jahr- 
hundert durch Holbein und im 17. durch van Dyck, so auch im 
18. vom Continent aus, und zu Anfang desselben stand ein Lübecker, 
G. Knaller (T 1723), der als Schüler F. Bolls der Kunstrichtung nach 
mit Rembrandt (unter venetianischer Beimischung) zusammenhing, 
an der Spitze der englischen Kunstthätigkeit wie der auf seine An- 
regung gegründeten Akademie. Doch erfreute sich dieser mit Recht 
keineswegs einer so nachhaltigen Einwirkung wie seine grossen Vor- 
gänger, und er selbst konnte noch sehen, wie die gleichzeitige fran- 
zösische Weise durch den Engländer J. Tlzornlz-ill (1- 1734) mit Ge- 
schick vertreten seiner Auffassung siegreiche Concurrenz machte. 
Da trat endlich der erste originale Künstler Englands auf, W. H0- 
garth (1- 1764), der Satyriker unter den Malern, welcher es sich zum 
fast ausschliessenden Ziel steckte, die Gebrechen des socialen Lebens 
jener Zeit zu geisseln. Schreibt man die Derbheit seiner Charak- 
teristik der trockenen Geradheit seiner Nation zu, die mehr als irgend 
eine andere ohne Bemäntelungssucht den Thatsachen scharf in's Ge- 
sicht sieht und den Kern nicht leicht unter täuschender Tünche 
verbirgt, so kann man den cyklischen Darstellungendes Meisters, 
der in jeder Composition den Nagel auf den Kopf trifft, und ohne 
der Verzerrung durch Carrikatur zu bedürfen, in drastischer Wahr- 
heit allein wirkt, die höchste Bewunderung nicht versagen. Wenn 
auch eine Schulbildung bei der absonderlichen und der Kunst im 
ästhetischen Sinne allerdings ferneliegenden didaktischen und morali- 
sirenrlelu Richtung des Meisters nicht möglich war, so ist doch Ho-
        

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