Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-530648
Vegetation genug getrennt, um sich nicht gegenseitig zu beeinträch- 
tigen. Gleichwohl lässt sich nicht leugnen, dass des Unsoliden zu 
viel darunter, als dass man den Gedanken an die "Piburtina fest- 
halten könnte, und des bizarr Fantastischen zu viel, als dass man 
nicht vielmehr an ausgedehnte Villenanlagen der Zopfzeit mit ihren 
wunderlichen Surprisen wie in Schönbrunn, Schwetzingen u. s. w. 
sich erinnert fühlte. Denn im Grunde ist doch derselbe Gedanke, 
der den versunkenen Tempel des Marmorpalais entstehen liess, auch 
hier vielfach massgebend gewesen und vieles eitel Maskerade, wenn 
auch geistreich und frei von barocker Behandlung und im spezifisch 
modernen Gcwande vorgeführt. 
Auch war der hier angeschlagene Ton, die malerische Effekt- 
und Prunksucht, Unwahrheit. und Unsolidität nicht ohne schlimmen 
Einfluss auf die Privatarchitektur. In diesem Gebiete entfalteten he- 
sonders Strack, Knoblauch und Hitzig und zwar nicht ohne grosstr 
Verdienste eine ausgedehnte Thätigkeit. Die Htiusser der Viktoria- 
strasse, besonderer landschaftlicher Vorzüge durch Gärten, Baum- 
gruppen u. s. w. geniessend, und zunächst von Hitzig gebaut, zeigen 
die SchinkePsche Tradition noch erfreulich festgehalten. Doch stei- 
gerte sich die Putzsucht bald in um so hedenklicherer Weise, als 
für sie selten tüchtiges Material herangezogen wurde. Gips, Cement 
und Zink versteigen sich zur Rolle von Sandstein und Marmor. Da 
diese Materialien die kräftigen Ausladungen der Steinarchitektur nicht 
zu ertragen vermögen, so riss Kleinlichkeit und trotz der Häufung 
der Zierglieder Flachheit ein, oder wenn man dem Verkleidungs- 
material zu viel zurnuthete, laeklagenswerthe Unhaltbarkeit. Dazu 
kam ermtidende Wiederholung durch die fabrikmässige Herstellung: 
der Decoration, nicht selten Ungehörigkeit und Ueherladung in deren 
keine wesentlichen Kosten verursachenden Anbringung. Leider er- 
hielt auch damals Berlin den wohlthäitigen Massstab durch die An- 
lage von Staatsgehiitltlen nicht. Denn ausser dem gleichfalls von 
Hitzig hergestellten [Prachthatl der Börse in edlem Renaissancestyl 
und  das erste Beispiel der Art in Berlin  ganz in Sandstein 
aufgeführter Facade wurde nichts Erhebliches vor dem neuesten 
Aufleben Berlins geschaffen. Dieses wird jedoch in einem späteren 
Abschnitte zu betrachten sein. 
Auch in München hatte die Baukunst 
Ankunft jenen Aufschwung genommen, welcher 
schon vor Cornelius 
der kleinbürgerlichen
        

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