Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-530622
durrh entsprechende Vergrösserung sie zur Nationalgallerie zu_ ge- 
stalten. Stüler musste wissen, dass zur Raumentfaltung kein Schema 
ungeeigneter als das des antiken 'l'empels und hätte sich nimmer- 
mehr verleiten lassen sollen, die Bestimmung des Gebäudes bei der 
Wahl der Grundform so untergeordnet in Betracht zu ziehen, wie 
es bei einer wenn auch pseudo-peripteralen Tempelgestalt geschehen 
musste. Ein beträchtlicher Theil der Gallerieräume verbirgt sich 
daher mit den betreffenden Zugängen in der hohen Substruction, 
die mächtige Freitreppe wird dadurch zum müssigen Paradestück 
und trotz der imposanten Dimensionen des Tempels ist doch der 
Innenraum ohne die denkbare Möglichkeit nachträglicher Erweiterung 
so beengt, wie er bei einer wNationalgalleriek, die allerdings noch 
in ziemlich bescheidenen Anfängen liegt k), am wenigsten hergestellt 
werden durfte. Die gediegene Ausführung kann auch mit dem 
Missgriff in der Anlage nicht versöhnen. 
Im Kirchenbau hielten nach SchinkePs Tode dessen letzte, frei- 
lich durch die gebotenen Mittel ärmliche Verstiche"), wie die kÖnig-i 
liche Vorliebe, noch einige Zeit in altchristlichen Bahnen. So in den 
beiden schönen Werken von Persius, der Friedenskirche bei Potsdam, 
welche das besondere Interesse und der gediegene landschaftliche 
Sinn des Königs durch Atrium, Hallen, Campanile und andere Neben- 
bauten zu einer malerisch höchst reizvollen und geradezu an Italien 
gemahnenden Schöpfung gestaltet hat, wie in der ähnlich situirten 
Kirche zu Sacrow. Hieher gehört auch die Jacobikirche zu Berlin, 
welche Stüler durch die doppelgeschossigen Seitenschiife den Be- 
rlürfnissen des evangelischen Gultus noch mehr anzupassen gewusst 
hat. Allein schon Schinkel hatte auch aus den mittelalterlichen 
Bauformen eine den modernen Anschauungen entsprechende Gestalt 
zu entwickeln versucht, wenn auch in dem Streben nach Originalität 
und bei minder gründlichem Verständniss ihres Wesens nicht mit 
allzuglücklichem Erfolge. Die Absicht Schinkels wurde nun bei 
grösseren und zahlreichern Aufgaben von seinen Schülern nicht ohne 
Glück weiter in Betracht gezogen und namentlich dadurch grössere 
Mannigfaltigkeit in die Versuche gebracht, dass nun auch der roma- 
ill 
 Den Haupttheil bildet die ehemalige Privatsammlung des Consuls Wagener. 
k") Die Vorstudtkirchen auf dem GeSllllllbfklllllell, vor dem Rosenthalerthor, 
lf- dem XKVadding und in Moabit.
        

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