Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-530619
die mächtigen Gesimse des Schlossbatics selbst sehr kräftige Aus- 
ladungen erfordert hätten. 
Ein anderer Lieblingsgedanke des Königs war die Anlage eines 
zweiten Museums (SÜÖZCT), Welches das aufnehmen sollte, was, als 
vordem in den königlichen Schlössern untergebracht, im Schinkell 
schen Bau keinen Platz finden konnte und sich überdiess bei des 
Königs Kunstliebe rasch vermehrte. Während leider vorher einem 
Schinkel in beklagenswerther Knappheit fast überall von oben wein 
Zaum angelegt warde, ergoss sich jetzt über das neue Projekt eine 
Opulenz, welche vielfach ganz ungerechtfertigt war und namentlich 
in keinem Verhältniss zu dem stand, was von dem N. Museum 
aufgenommen werden sollte. Auch das an sich schöne Programm, 
die Räume mit den aufzustellenden Objekten soweit als möglich in 
Einklang zu bringen und z. B. die Localitäten für die ägyptische 
Sammlung im ägyptischen Style herzustellen, musste zu manchen 
Uebelständen führen. Namentlich dann, wenn sich Umstellungen 
als unabweislich erwiesen und dadurch Widersprüche zwischen Deco- 
ration und Inhalt entstanden, oder wenn die Ausstattung den Inhalt 
geradezu todtschlug, wie in den meisten Gipssälen oder in dem Saal 
der nordischen Alterthümer, in welchem letzteren die schönen Fries- 
malereien aus der nordischen Sage (vgl. S. 435), wie Woltmann 
bezeichnend sagt, das Publicum gewissermassen mit verbindlichen 
Redensarten um Verzeihung bitten, dass man so arinseliges Gerümpel 
überhaupt vorzuführen wage. Die Sammlungen selbst erscheinen 
eben nicht als die Hauptsache, sondern die baulichen Effekte. Und 
selbst diese sind ohne organischen Zusammenhang, wie namentlich 
das riesige Treppenhaus, als der Träger der Kaulbaclfschen Epochen- 
bilder zu den hervorragendsten Kunsträumen der Welt gehörend, 
abgesehen von dem sonstigen geringen architektonischen Werthe, 
weder zum Eingang und Vestibül noch zu den Sälen, zu denen es 
führen soll, im richtigen Verhältnisse steht. 
Noch grösser wurden die Missstände hinsichtlich der National- 
gallerie, deren Vollendung sich bis in die letzten Jahre verschleppte. 
Das neue Museum war nemlich ursprünglich als die eine Seite eines 
Forums gedacht worden, welches anderseits an die Spree stiess und 
durch seine classischen Colonnaden allerdings eine imposante Wirkung 
nicht hätte verfehlen können. In dieses nun war eine tempelartige 
Aula geplant, welche ihrerseits auf den unglücklichen Gedanken führte,
        

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