Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-530580
Es gehört zu den bedeutendsten Eigenschaften des grossen Archi- 
tekten, dass er bei allen seinen Arbeiten in unermüdlicher Hinge- 
bung jedes Detail selbst schuf und sich niemals mit Herübernahme 
typischer Formen begnügte, sondern sie immer durch seinen classisch 
ertinderischen Geist neu zu gestalten wusste. Diess machte ihn zum 
Meister der Tektonik und brachte ihn in so enge Berührung mit dem 
Kunsthandwerk, dass er auch in diesem als der mächtigste Balm- 
brecher zu bezeichnen ist. Es giebt kaum einen Einrichtungsgegen- 
stand, für Welchen seine allseitige Künstlerhand nicht eine muster- 
giltige Form geschaffen hätte, was ihm beim Umbau und bei der 
Ausstattung schon bestehender Gebäude trefflich zu statten kam. 
Kein Architekt verstand es wie er, seine Erfindungen der Landschaft 
und Localität, den gegebenen Verhältnissen und schon Vorhandenem 
so geschmackvoll und mit so wenig Gewaltsamkeit anzupassen und 
im Kleinen wie im Grossen, im antiken, romantischen und Renais- 
sancestyl die entsprechende eigenthümliehe Schönheit zu entfalten. 
(Man vergleiche nur Villa Charlottenhof bei Potsdam, das Palais 
Redern im florentinischen F eudalstyl, Schloss Babelsberg in eng- 
lischer Gothik, die Renaissancebauten von Glienicke u. s. w.) Ja, 
es war ihm, dessen vorwiegende Neigung zur elassischen Architektur 
selbstverständlich zum Steinbau drängte, ein Lieblingsgedanke, in 
Erwägung der Spärlichkeit des Hausteines im Norden dem verhassten 
Verputz durch Wiederbelebung des unverputzten Backsteinbaues zu 
entgehen und es gelang ihm auch in der Bauakademie zu Berlin 
eine Probe zu geben, welche feine Schönheit durch Terraeottazierden 
auch in anderen als mittelalterlichen Batiweisen zu erreichen sei. 
Wohl verdankt Berlin Sehinkeln seine hervorragendsten Zier- 
den, aber leider nicht soviel, als die schöpferische Kraft dieses Genies 
hätte spenden können. Der König Friedrich Wilhelm III. vermochte 
ihn nicht in seinem ganzen Umfange zu würdigen und das Wort 
wman muss ihm einen Zaum anlegenc, welches der Monarch sonder- 
barer Weisse "anlässlich der Grundsteinlegung des Lutherdenkmals 
hatte fallen lassen, entsprach vollkommen dem Verhältnisse zwischen 
dem Fürsten und den1 Künstler. Als aber der kunstsinnige König 
Friedrich Wilhelm IV. mit der ausgesprochenen Absicht, wie König 
Ludwig I. in München, so in Berlin einen Mittelpunkt der monu- 
mentalen Kunst zu schaffen und Schinkel an die Spitze seiner Unter- 
nehmungen zu stellen, den 'l'hron bestiegen, da legte Sich eben
        

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