Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-530566
thätigt er in dem 1818 begonnenen Schauspielhause seine Meister- 
schaft im grössten Massstabe. Das über manche Uebelstände des 
Inneren, namentlich der Eingänge und Vorräume klagende Publictnn 
weiss selten, dass dieselben durch die Schinkeln zugegangene Wei- 
sung veranlasst sind, die vier Brandmauern des vom alten Langhzins 
erbauten und 1817 durch Feuer zerstörten 'l'heaters zu benützen, 
wie ausser den weitläufigen Oekonomieräumen auch einen Concert- 
saal und ein Festlocal anzubringen. Das ausserordentliche Dispo- 
sitionstalent des Baukünstlers aber wusste namentlich aus der letztern 
Anordnung für das Ganze einen die Uebelstände bei weitem {iber- 
wiegenden Vortheil zu ziehen, indem er zum kreuzförmigen Plane 
schritt, welche die in der Mitte eines grossen Platzes doppelt un- 
günstigen Langseiten anderer Gebäude der Art brach und an den vier 
Seiten Fronteanlagen verstattete. Vorzüglich ist die Fensterbildung des 
Obergeschosses wie der beiden Flügel vermittelst. Pilastern zwischen 
den schlanken Durchsichten, wodurch der Vortheil grosser Leich- 
tigkeit des Aeusseren gewonnen und das Beispiel gegeben ward, auch 
für die Wanddurchbrechungen sich eines spezifisch griechischen Motivs 
unter strenger Vermeidung der römischen Bogenbildung zu bedienen. 
Die Details erscheinen in vollkommener Reinheit, die jonischen Säulen 
des Prostylos zum erstenmal wieder in richtigem Verständnisse ge- 
schwellt und alles Ornamentale in classischer Vollendung durchge- 
führt. Das Innere des Concertsaales aber darf vielleicht die ge- 
lungenste Anlage genannt werden, welche die Neuzeit in dieser Art 
überhaupt hervorgebracht hat. 
Die prachtvolle Schlossbrücke, welche nach Schinkefs Plan von 
1819 an die Stelle der hölzernen Hundebrücke getreten ist, gleich- 
falls durch ihre schönen Verhältnisse, prächtigen Geländer und durch 
die von dem Architekten entworfenen, in den fünfziger Jahren von 
den besten Schülern Rauclfs ausgeführten Marmorgruppen einen 
weit imposanteren Eindruck gewährend, als man von der geringen 
Länge derselben erwarten konnte, führt uns zu dem Hauptwerke des 
Meisters, dem Museum, zu welchem er 1822 und 1823 den Plan 
entwarf und das schon 1830 eröffnet werden konnte. Schon nach 
Schlütefs Plänen hätte der Platz jenseits des Lustgartens dem 
Schlosse gegenüber ein monumentales Gebäude erhalten sollen, aber 
bis 1823 lag der weite Raum nach dieser Seite unabgeschlossen, 
als Schinkel seinen Entwurf für die Stelle schuf, auf welcher sich
        

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