Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-525486
Bedeutender als Spanien stellten sich die Niederlande in ihrem 
Kunstbetrieb der gleichen Periode dar. Mehre grosse Maler des 
17. Jahrhunderts, wie P. de Hooghe, J. v. d. Meer d. J., aJ. v. d. 
Heyden, M. Hobbema, W. v. d. Velde, L. Backhuysen, J. Weenix, 
V. d. Heeda u. a. ragten in ihrem letzten Lehensjahre noch ins 
18. Säculum hinüber, und es fehlte auch nicht an einzelnen, welche 
in ihrer Blüthezeit ganz dem letzteren angehörig von dem grossen 
Erbe einen nicht zu unterschätzenden Antheil erhalten zu haben 
scheinen. Man erinnere sich nur an Blumenmaler wie Rachel Ruysclz 
(1- 1750) und Jan Huysum (T 1'749). Die grosse Mehrzahl freilich, 
Schüler oder Nachahmer der grossen Meister der Glanzzeit, wandelten 
die Bahnen der Manieristen, ihren höchsten Ruhm darin suchend, 
nicht selbst etwas zu gelten, sondern ihren Vorbildern äusserlich, 
aber für den oberflächlichen Betrachter azum Verwechselnc ähnlich 
zu werden. Es begann die traurige und leider sehr productive Zeit 
der Copisten und zum Theil sogar bewussten Fälscher, von deren 
trügerischen Schöpfungen die Gallerien selbst heutzutage sich noch 
nicht gänzlich zu befreien vermocht. An Geschicklichkeit, die Tra- 
dition noch Jahrzehnte lang fortzuschleppen, fehlte es den Nieder- 
ländern auch jetzt noch nicht; die Originalität dagegen, Welche im 
vorausgegangenen Jahrhundert so belebend und erfreulich in jedem 
Gebiete der Malerei gesprudelt, war dahin. 
Wie aber einst, nachdem sich die nationale van Eyck'sche 
Schule erschöpft hatte, die Niederländer sich nach Italien gewandt, 
um dort nicht etwa neue Impulse zu schöpfen, sondern geradezu als 
Nachahmer in die Reihen der Manieristen einzutreten, so hatten 
auch jetzt mehre Künstler, dem Beispiel Honthorsfs folgend, ihr 
Heil in Italien gesucht. Selbstverständlich nur mit geringerem Er- 
folge; denn während einst ein Raphael und Michel Angele als Vor- 
bilder glänzten, während selbst einem Honthorst die Blüthezeit des 
unteritalienischen Naturalismus entgegentrat, fanden jetzt die Nieder- 
länder nur mehr das ausgelaufene Geleise von Manieristen und de- 
corativen Effektmalern, deren Werth über die Geschicklichkeit, grosse 
Leinwand- oder Wandflächen in flotter, reicher und in gewissem 
Sinne schmuckvoller Weise zu füllen, wenig hinausging. Die Sache 
wurde auch durch jene nicht verbessert, welche das Studium der 
Italiener mit dem Poussin's verbanden und sich auf den Standpunkt" 
der gleichzeitigen Historienmalerei Frankreichs, des sog. agTOSSGH
        

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