Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-530449
bei Potsdam ein Werk ersten Ranges hin, welches dem berühmten 
Jugendwerk gleichen Inhalts von Michelangelo an Bedeutung; weit 
näher kömmt, als Rauclfs Moses der bekannten Haupttigui" am 
Grabmal Julius II. in Rom. 
Nicht immer zwar erreicht Rietschel den monumentalen Schwung 
und die classische Geschlossenheit seines Meisters Rauch; dafür ist 
ihm jedoch anmuthvolle Empfindung und eine manchmal ans" Ro- 
mantische streifende Poesie im höheren Grade eigen als dem Heros 
der modernen Plastik in Berlin, eine Gefühlswärme, neben welcher' 
der philosophische Geist Rauclrs nicht selten kalt erscheint, wie 
immer Denken neben Empfinden. Die Gestalten Rauchs nament- 
lich aus seiner späteren Epoche erwecken als Charaktere durch und 
durch Ehrfurcht und Bewunderung, die Rietschels Sympathie, und 
wo der Gegenstand diese weniger einflössen kann, erscheint der 
Meister nicht ganz in seiner Sphäre. Daher bewegt sich Rauch 
am leichtesten im Gebiet des Sieghaften, der Könige, Helden, Vic- 
torien u. s. w., während Rietschel nicht den Königsdenkmälern, 
sondern dem mehr Pathetischen, den Dichtern und den Gebilden 
der Dichtung seinen Ruhm verdankt..  
Dieser Gegensatz äussert sich auch und zum Theil noch deut- 
licher in der Schule Rietschels. Zwar hatte Ernst Hähnel, geb. 1811 
zu Dresden, vorerst andere Einflüsse erfahren, indem er nach vor- 
ausgängigen architektonischen Studien in Italien Michelangelo nach- 
gegangen war und dann in dreijährigem Aufenthalt zu München sich 
an Schwanthaler, Cornelius und Genelli angeschlossen hatte. Allein 
wenn auch dadurch seine Anschauung weniger modern als die 
Rauch's und RietschePs sich gestaltete und das Uebergewicht der 
Classicität ebenso entschieden hervortrat als bei Tieck in Berlin, so 
drang doch das sympathische Element RietschePs sofort auch durch 
die classicistische Rinde und belebte den Idealismus des Künstlers 
vorwiegend nach der Emptindungsseite. Schon 1840 feierte Hähne] 
seinen ersten und vielleicht grössten Triumph mit dem herrlichen 
Bacchusfries an der Elbseite des Dresdener Theaters, der zwar mit 
dem letzteren vor seinen Augen in Schutt gesunken, aber in Abgüssen _ 
erhalten und in diesen dem Studium und Genusse sogar zugänglicher 
ist, als er in der verlorenen Sandsteinausführung gewesen. Der 
Fries gehört zu den wenigen classicistischen Werken, bei welchen 
nicht die gleichwohl hinreisscnde Schönheit der Formen und Be-
        

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