Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-530362
Ein halbes Jahrhundert der epochemachenden Thätigkeit Ratich's 
(i 1857 zu Dresden) reichte hin, seine Schule in Berlin und darüber 
hinaus fest zu laegrtinden, so dass selbst in unseren Tagen seine 
Tradition durch excessive Realisten nicht verdrängt werden konnte. 
Freilich gebührt daran ein nicht geringer Antheil seinem Freunde 
Uhr. Fried. Tieck, dem Bruder des bekannten Romantikers und 
Dichters, geb. zu Berlin 1776. Zwischen 1789-1797 bei Bettkober 
und G. Schadow in die Plastik eingeführt, fühlte er sich durch 
Wackenroderls Freundschaft zur Romantik hingezogen, Worauf ihn 
ein dreijähriger Aufenthalt in Paris in des Malers David Atelier 
nicht blos zum dritten Richtungs-, sondern sogar zum Kunstfach- 
wechsel laestimmte. Goethe hat das Verdienst, ihn Wieder zur Plastik 
ztutickgelcitet und am Weimarer Schloss 1802-1805 beschäftigt 
zu haben. Schon damals hatte er den classicistisch-idealen Weg 
endgültig gewählt und ein vierzehnjähriger Aufenthalt in Italien, wie 
seit seiner Rückkehr nach Berlin 1819 der Einfluss SchinkePs konnte 
ihn hierin nur noch bestärken. Ueberdiess hielt ihn die Hauptauf- 
gabe seines Lebens, die plastische Ausstattung des Schinkefschen 
Schauspielhauses zu Berlin bleibend in jenen Bahnen. Die fünf 
Giebel mit ihrem Tympanon- und Firstschmuck; die Wangen der 
Freitreppe und die Ausstattung von Vorhalle und Festsaal gaben 
ihm eine reichlichere Gelegenheit als sie sonst irgendwo geboten 
worden wäre und namentlich in den Giebelgruppen vermochte der 
Künstler seine Bedeutung voll zu entfalten. Die Niobegruppe (Tra- 
gödie), der Bacchuszug (Gomödie), die Orphetisgruppe (Musik) in 
den drei Hauptgiebeln zeigen aber den Künstler im entschieden 
engeren Anschluss an die Antike, als wir ihn bei Rauch gefunden. 
namentlich aber als energischer in der Darstellung des Pathos, für 
welches Rauch bei seiner überwiegend ruhigen und zuständlichen 
Auffassung, die mehr in der Einzelstatue als in dramatisch gedachten 
Gruppen ihr Behagen fand, weniger Anlage und Neigung an den 
Tag gelegt. Dass dagegen Tieck im Bildniss entschieden schwächer, 
ist selbstverständlich und auch an den 24 Büsten von seiner Hand 
in der Walhalla wie an den tüchtigen Statuen des Copernicus und 
Schinkelis i") nicht zu verkennen. Nur wenn es ihm verstattet war, 
Thorn , 
in 
i) Die erstere (Bronze) 
Alten Museums zu RPYHH. 
die 
zweite 
(M21 
10T) 
in 
der 
Vorhalle 
des
        

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