Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-530340
inne wohnte, zugleich von so packender individueller Wahrheit und 
doch von so eminenter königlicher Hohheit, wie sie nur die gründ- 
lichste Kenntniss der Antike dem Künstler lehren konnte; beides 
aber in einer harmonischen Durchdringung, welche nirgends Ge- 
machtes, Anempfundenes und Entlehntes und nirgends ungelösten 
Dualismus von Realität und Glassicität verräth. 
Die reiche Erfahrung am Friedrichsdenkmal verlieh dem Künstler 
für seine letzteren Arbeiten im Bildnissgebiet eine Eigenschaft, die 
man an einigen früheren Porträtstatuen vermisst, nemlich jene 
Leichtigkeit der Erfindung, welche das Müherolle des Entstehens 
nicht mehr empfinden lässt. Dadurch zeichnen sich aus die Statuen 
der Generale York und Gneisenau, die ihre Stelle zu beiden Seiten 
des Blücherdenkmals gefunden haben, ferner das Standbild Kant's 
für Königsberg t) und endlich, als eines der letzten Werke des achtzig- 
jährigen Greises, die lebensvolle Statue des Begründers der ratio- 
nellen Landwirthschaft, Thaer in Berlin. 
Eine mit so feinfühligem Formensinn ausgestattete Natur, wie 
die Rauclrs, ein Künstler, Welcher die Antike nicht minder wie der 
grosse Classicist Thorwaldsen erfasst hatte, bedurfte einer gelegen- 
heitlichen Unterbrechung seiner Bildnissthätigkeit durch Arbeiten auf 
idealem Gebiet. Wie er aber sein Bildniss in Auffassung, Geberde 
und selbst in moderner Gewandung trotz hingebender Naturt.reue 
doch mit classischer Klärung zu durchdringen rermochte, so ver- 
stand er es auch umgekehrt, Idealtypen in einer Weise neu zu 
beleben, wie es keinem anderen Meister unseres Jahrhunderts gelungen 
ist. Hatte er es schon in den allegorischen Reliefs an den Piede- 
stalen seiner Porträtstatuen dahin gebracht, dass der seit Traians 
Tagen conventionelle Habitus von Victorien u. s. w. in ihrer immer 
unleidlicher gewordenen kalten Verallgemeinerung zu neuer Beseelung 
gelangte, was um so nothwendiger und erfreulicher wurde, als sich 
der Künstler nicht immer der bedenklichen Verbindung allegorischer 
Figuren mit realen Vorgängen zu entziehen vermochte, so feierte er 
einen wahren Triumph der Neuhelebung der Antike in einer Reihe 
von Werken, die er 1833-1842 im Auftrage des Königs Ludwig I. 
von Bayern für die Walhalla schuf. Es sind die sechs Victorien, 
welche wohl den Hauptschmtick des prachtvollen Innern dieses Ge- 
L 
Philosophen 
des 
Bildniss 
Aus dem 
am 
Friedrichsdenkmal 
entwickelt.
        

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