Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-530319
Auffassung und einigen formalen Anschlusses an die ewig lnugtep- 
gültige Antike nie wird entrathen können, so waren gerade in Rauch's 
Programm die Grundbedingungen der modernen illeisselkunst im 
rechten Gleichgewichte gegeben. Diese Mitte hatten weder Thor- 
waldsen mit seinem classicistischen Uebergewichte, noch Schadow 
mit dem realistischen gefunden, und erst von Bauch konnte man 
sagen, dass er die alte Forderung, durch die Antike die Natur sehen 
zu lernen, erfasst habe. Den königlichen Besteller ergriff auch bei 
Betrachtung des Werkes Wahrheit und Schönheit in gleicher Weise 
erschütternd, und selbst jene, welche das Original nie gekannt, sind 
sich trotz der hohen Idealschönheit des Werkes sofort bewusst, dass 
die Porträtwahrheit durch den classischen Anhauch nicht verloren 
gegangen und das Individuelle nicht unter canonischer Typik erstickt 
sei.  Wie diess Werk einem Ideal von YVeiblichkeit, so waren Rauch's 
nächste grössere Arbeiten der Verherrlichung der Helden des Be- 
freiungskrieges gewidmet. Voran stehen die beiden Marmorstatuen 
Scharnhorsfs und Bü1ow's von Dennewitz an der Königswache zu 
Berlins"). Sie haben leider von dem Eindrucke der Schönheit und 
Sorgfalt ihrer Erfindung und Ausführung seit dem halben Jahrhun- 
dert ihres Bestehens bereits viel verloren und dadurch deutlich gezeigt, 
wie bedenklich das Wagniss ist , liiarniorrundplastik ungeschützt 
den Einflüssen des nordischen Himmels preiszugeben, abgesehen 
davon, dass überhaupt männliche Statuen, besonders modernen 
Costüms und am allermeisten kriegerischen Charakters, ihr ange- 
messenstes Material ebenso im Metall finden, als anderseits jedes 
Werk, bei welchem wie beim Denkmal der Königin Louise, anmuth- 
volle Schönheit und Gemüthsinhalt entschieden vorherrschen muss, 
der Bronzeausführung widerstreben Würde. Freilich kam hier der 
Umstand in Betracht, dass in den beiden Feldherrnstatuen die archi- 
tektonische Mitwirkung, welche meist in Marmor bedeutender ist, 
zum Ensemble der SchinkePschen Königswache wünschenswerth sein 
musste. Auf alle Fälle hat es der Künstler verstanden, schon seine 
Erfindung stylvoll dem Materiale anzupassen, indem er nicht blos 
dem Manne des Rathes (Scharnhorst), sondern auch dem der That 
(Bülow) jene ruhige Geschlossenheit bewahrte, wie sie der Marmor 
erfordert, welcher weder die dramatische Bewegtheit noch die Zer- 
1822 
vollendet.
        

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