Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-530300
seiner Kunst gelernt, eine Lakaienstelle im Hofdienste des Königs 
von Preussen annehmen müssen und war dem Hofhalt der edlen 
Königin Louise zugetheilt worden. In diesem waren ihm, zwar 
mit manchen Erleichterungen durch wiederholten zum Zweck der 
Fortsetzung seiner plastischen Studien gewährten Urlaub, abermals 
sieben Jahre vergangen, bis er endlich 1804 die oft erbetene Ent- 
lassung mit einiger Pension behufs einer Studienreise nach Italien, 
erlangte. Seit 1805 in Rom hatte er jedoch das Glück sofort in 
einen erlesenen Kreis von Künstlern, Archäologen, Kunstfreunden 
und Dichtern einzutreten, wie er sich damals im Hause des preussi- 
sehen Ministerresidenten W. v. Humboldt gebildet hatte. Der Vor- 
theil, Welchen der ebenso mittheilungsbedürftige als empfängliche 
junge Mann in kurzer Zeit aus diesem Verkehre zog, äusserte sich 
schon in seinem ersten grösseren selbständigen Werket), zu Welchem 
er den Auftrag von der Heimat erhalten hatte, nemlich in dem 
niarmornen Grabdenkmal seiner ehemaligen Gebieterin der Königin 
Louise. Dass der Künstler mit diesem 1814") vollendeten Werke 
mehr geleistet als sein Lehrer mit den ungefähr gleichzeitig in An- 
griff genommenen Standbildern Blücl1er's und Lutl1er's kann wohl 
kaum im Ernste geleugnet werden. Der von Schadow gestreute 
Same War dabei keineswegs verloren; Rauch aber wusste die rea- 
listische Grundlage durch eine Anmuth und Emptindmg, vor Allem 
aber durch einen Schönheitssinn zu verklären, der die an sich gün- 
stige Aufgabe weit über das hinaus steigerte, was Schadow's pro- 
saische Natur daraus hätte machen können. Es war damit der 
richtige Weg für die moderne Plastik gefunden, Welche ihre Haupt- 
aufgaben fortan nicht mehr in Religion, Mythus und Allegorie, son- 
dern im geschichtlichen und Porträtbilde finden sollte. Da aber das 
Wesen der Bildnerei der Verklärung durch eine gewisse Ideaiität der 
 Vorher hatte er schon das später (1827) für W. v. Humboldt (Tegel) aus- 
geführte "sitzende lilädcllen", das Relief "der verwundete Mars bei Venus" für 
denselben, und ein anderes "Phädra und Hippolit" für den russischen Baron 
Balk, wie auch mehrere Büsten geschaffen. 
i") In dem von Schinkel gebauten Mausoleum zu Charlottenburg. Das Werk 
wurde auf dem Wege von Livorno mit dem Schiffe, welches es trug, von einem 
amerikanischen Kaper erbeutet, aber von einem englischen Schiffe wieder 
genommen. In freier, etwas vereinfachter Wiederholung zu Potsdam (1828 aus- 
geführt). 
        

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