Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-530296
Ull 
Titel, noch mehr aber die Erörterungen in den Werken selbst wie 
in Seinen xKUHStiIDSiChtGDQ zeigen übrigens, dass er gerade das Ent- 
gegengesetzte von dem, was Polyklet angestrebt hatte, wollte, nem- 
lieh das Besondere statt des Allgemeinen, das Individuelle statt des 
Typischen. Dass damit in manchem Betrachte viel gewonnen war, 
ist nicht zu leugnen; dass aber Schadow diese Studien in einer alle 
Schönheit und Poesie ertödtenden Nüchternheit betrieb und das 
Künstlerische immer mehr aus dem Auge verlor, wird durch jede 
Seite seiner Schriften und den Eifer in Auffindung der Abweichungen 
verschiedenster Art klar. Die Erstarrung aller künstlerischen Prin- 
cipien verräth auch der Abriss der Berliner Kunstentwicklung in 
den dreissiger und vierziger Jahren, der den letzten Theil seiner 
Memoiren überwiegend ausmacht und fast ohne eigenes Urtheil vor- 
zugsweise sich an den Beifall fürstlicher Beschauer klammert, deren 
Aeusserungen gewiss nicht auf orakelhafte Publication berechnet 
waren. Der nicht genauer unterrichtete Leser der Schadoufsehen 
wKunstansichtenc wird an der Stelle wAus der Werkstatt meines 
alten Freundes, des Bildhauers Buhl in Gasse], sind ausser seinen 
beiden Söhnen auch andere gute Künstler hervorgegangene  schwer- 
lich zwischen den Zeilen lesen, dass zu den letzteren Rauch gezählt 
werden müsse. In der That hätte der Altmeister diese Hindeutung 
auf einen Stern erster Grösse, der ihn damals (1847) längst Weit 
überstrahlt hatte, wohl etwas bestimmter fassen dürfen, wie er 
überhaupt, um gerecht zu sein, in seinen wKunstansichtena die 
Schöpfungen seines glücklichen Nebenbuhlers mehr hätte betonen 
müssen als die gewöhnlichste Ausstellungswaare der gleichzeitigen 
Malerei] 
Clwiszfian Daniel Rauchm), 1777 als der Sohn eines fürstlichen 
Kannnerdieners zu Waldeck geboren, hatte, nachdem er seinem 
Drange folgend 1790-1797 bei den Bildhauern Valentin in Halsen 
und J. (Ihr. Ruhl (1- 1842) in Gasse] das Handwerk]ich-Technische 
 Dr. G. Schadaw,National-Physiognomien oder Beobachtungen über den Unter- 
schied der Gesichtszüge und die änssere Gestaltung des menschlichen Kgpfes, 
als Fortsetzung des Polyklet. Berlin 1835. 29 Tafeln mit Text. 
4') Kunstwerke und Kunstansicluten. S. 231. 
M") Fr. Eggers, Christian Daniel Rauch. I. Band. Nach des Verfassers Tode 
herausgegeben von G. Eggers. Berlin 1873. F. Iüegler, (Ihr. Dan. Rauch. Deut- 
sches Kunsthlatt. 1858. S. 33 fg
        

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