Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-530285
516 
III. 
Buch. 
Cap- 
Plast 
gestaltete sich ein Weiteres Hauptwerk des Altmeisters, das Luther- 
denkmal in Wittenberg. Die Theilnahme für diese Schöpfungr) 
war bei allen Schichten der Bevölkerung keine geringere als a'n dem 
Blücherdtvnkmal. Selbst Schinkel hatte sich in wiederholten Compo- 
sitionen, welche das YVerk als Wanddenkmal fassten, an die Auf- 
gabe gemacht und zwar in einer Weise, dass selbst der widerstre- 
bende Schadow an das Juliusgrab Michelangelds sich gemahnt fühlte, 
aber als erfahrener und ealculirender Praktiker bemerken musste, 
dass der Kostenpunkt dabei zu wenig in Rechnung gezogen worden 
sei. Ein Beliefentwurf Schadow's, welcher den Reformator die 
Thesen anschlagend mit einem eifernden Mönch einerseits und der 
bannschleudernden römischen Kirche mit Satan anderseits darstellte, 
wurde glücklicherweise verworfen und die Entscheidung gefüllt, dass 
ein Bronzestandbild auf angemessen  verziertem Sockel am Haupt- 
platze Wittenbergs errichtet werden sollte. Dass sich der Künstler 
hinsichtlich der Auffassung an den Typus der Lutherbilderaus der 
Cranaclfschen Werkstätte hielt, war wohl passender als der gothische 
Baldachin über demStandbilde, welcher einer Idee des nachmaligen 
Königs Friedrich Wilhelm IV. entsprungen war und Schinkeln zur 
Ausführung überwiesen wurde. 1821 wurde das immerhin bedeu- 
tende Werk enthüllt. 
Da nach Vollendung dieser Schöpfung sdie grossen Arbeiten 
in der Sculptur an andere Werkstätten übergegangen warena, wie 
Schadow selbst sagt, so widmete er die nicht ganz freiwillige Musse 
namentlich seit dem Jahre 1828, mit welchem er die Bildhauerar- 
beiten in seinem Atelier überhaupt fast als abgeschlossen erachtete, 
seinen Studien über Racentypen und menschliche Proportion, aus 
welchen zwei verdienstliche Werke entstanden sindtt). Schon die 
 Die erste Anregung hiezu war schon 1805 gegeben worden, in welchem 
Jahre der Pastor Schnee zu GFOSS-OGYIIBI" bei Mansfeld einen bezüglichen Aufruf 
erlässeil hatte. Erst War jedoch die Burg von Mansfeld als Stätte des Denkmals 
in's Auge gefasst worden, nach einigem Schwanken hinsichtlich der Gleichbe- 
rechtigung Eislelaens fiel aber endlich die Wahl auf Wittenberg. 
H) G. Schadow, Polyklet oder von den lllaasseiw. des Menschen nach dem 
Geschlechte und Alter, mit Angabe der wirklichen Naturgrösse nach dem rhein- 
ländischen Zollstocke, und Abhandlung von dem Unterschiede der Gesichtszüge 
und Külifbildung der Völker des Erdhodens. Berlin 1834. 34 Tafeln mit Text.
        

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