Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-530272
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Es ist auch nur den schweren Zeiten der beiden ersten Jahr- 
zehnte unseres Jahrhunderts zuzuschreiben, dass die grosse Aufgabe 
des Denkmals Friedrich lI. trotz mehrfacher Anregung nicht Schadow 
zutiel, sondern auf bessere Jahre verschoben wurde. Wohl ein 
Glück; denn wenn bei Ziethen oder Leopold von Dessau die mangelnde 
höhere Auffassung nicht vermisst wird, so hätte diess bei dem Ideal 
des preussischen Volkes schwerlich der Fall gewesen sein können. 
Es ist demnach wohl nicht allzusehr zu beklagen, dass die Jahre 
der französischen Occupation den Schadowschen Meissel fast ganz 
auf etliche Büsten beschränkten, welche Ludwig, damals Kronprinz 
von Bayern, bestellte, da sein Ruhm durch grössere und mehr ideale 
Aufgaben kaum hätte gewinnen können. In der That geschah es 
auch nicht als mit der Befreiung Deutschlands aus französischem 
Joche im deutschen Kunstleben wieder einiger Pulsschlag, wenn auch 
noch in den matten Schlägen eines Reconvalescenten, zu verspüren 
war. Die erste grössere Bestellung nemlich, die Schadow nun erhielt, 
das Blücherdenkmal für Rostock herzustellen, verunglückte gänzlich, 
freilich zum nicht geringen Theile deshalb, weil der hinsichtlich der 
Auffassung und Anordnung zu Rathe gezogene Goethe den Künstler, 
trotz dessen realistischer Neigung, zu einer in den Reliefs des Piede- 
stals doppelt peinlichen halb heracleischen Attitüde nöthigte, und 
weil man überdiess den Germanendarstellungen und Trophäen auf 
traianischen 'l'riu1npl1alwerken Rechnung tragen zu müssen glaubte. 
Jedenfalls hat der Dichterfürst mit der berühmten Inschrift auf der 
Rückseite des Sockels t) dem 1819 vollendeten Denkmal einen dan- 
kenswertheren Dienst geleistet, wie mit seinen künstlerischen Rath- 
schlätgen Hit). In technischer Beziehung mag indess bemerkt werden, 
dass man mit diesem Werke das bisherige Verfahren a cire perdue, 
wobei die Wachsform zum Zwecke des Gusses ausgeglüht worden 
war, verliess, indem auf Schad0w's Veranlassung das moderne Ver- 
fahren durch den französischen Giesser Lequine und den Pariser 
Ciseleur Coue eingeführt ward. 
Glücklicher, weil Weniger getrübt durch symbolisirende Zuthat, 
 
bewusst und gross: so riss er 
J. G. Schadoußs Kunstw. und 
i") "In Harren und Krieg, in Sturz und Sieg 
uns vom Feinde los." 
 Die bezügliche (Iorrespondenz Goethe's in 
Kunstansichten. Berlin 1849. S. 176 fg.
        

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