Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-525450
und GGSlIIISOII war das (eigentliche Feld, wo sich der neue Styl aus 
der schwerreichen Decoration der vorausgegangenen Epoche in den 
spielend leichten der neuen überführte. Es scheint de Cotte gewesen 
zu sein, Welcher am Hotel de Toulouse zu Paris 1713-19 den Styl 
des wArchitecte de menus plaisirsc, des berühmten Decorateurs 
Ludwig XIV., Berain, dem neuen Geschmacke entsprechend zerselzte, 
Während der vollendete Rococodecorationsstyl von G. III. Oppcnorrl 
(T 1742), J. A. Meisscvnier (T 1750) und J. B. Leroux (T 1745) V01"- 
treten wird. Allmählig wagte sich diese Decoration auch an das 
Aeussere, jedoch mit sehr ungleichem Erfolge. Denn hier konnte 
sie nur auf Kosten der architektonischen Gliederung, vermittelst Re- 
ducirung und Entkräftung derselben gedeihen. Der Barockstyl hätte 
ihr aussen, wenn man dessen reiche Süulen-, Pfeiler- und Gesims- 
bildungen bestehen lassen wollte, lauchstäblich zu wenig Spielraum 
gewährt, und so mussten die traditionellen Gliederungen und spezifisch 
architektonischen Bestandtheile in empfindlicher Ernüchterung zurück- 
treten, um auf möglichst vielen und grossen Flächendem tändelnden 
Ralnnenwerk den Platz zu räumen. Das Muschel- und Blumenwcrk 
leicht zusammengehalten von geschwungenen Stäben in mannig- 
fachem frei erfundenen Wechsel der beliebten xCOHtOUYS a l'Sc 
konnten jedoch den Mangel der kräftigen Gliederungsmassen mit 
ihren intensiven Schatten keineswegs ersetzen und liessen die Bauten, 
namentlich in grösserer Entfernung, kahl und mithin trotz aller 
Zierlichkeit des Details schwer erscheinen. Es ist daher ganz na- 
türlich, dass der Barockstyl neben dem Rococo vornehmlich in der 
Aussenarchitektur sich noch bis gegen die Mitte des 18. Jahrhun- 
derts und selbst noch länger behauptet hat, so dass dessen mo- 
derne Wiederbelebung keine Kluft nach rückwärts zu überspringen, 
sondern lediglich die noch glimmenden Funken wieder anzufachen 
brauchte. 
Hat jedoch die Rococo-Architektur wenigstens im Interieur ihre 
unbestreitbaren Vorzüge in Hinsicht der originellen und von allem 
Scheniatisinus freien Erfindung, in dem grossen malerischen Reize 
ihres heiter festlichen Reichthums und endlich als der wahre und 
sprechende Ausdruck des gleichzeitig herrschenden Geistes, so fehlen 
diese Vorzüge fast gänzlich in der auf das Zeitalter Ludwig XV. fol- 
genden Bauweise, der letzten und traurigsten Phase des Barockstyls, 
welche wir als den Zopfstyl zu bezeichnen haben. Er ist dem 
Reber, Kunstgeschichte. 3
        

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