Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-525446
Zeit, doch zu frischer und gesunder Forlnschönheit (Hercur im Louvre), 
wie zu monumentaler Grossartigkeit (Grabmal des Marschalls Moritz 
von Sachsen in der Thomaskirche zu Strassburg) sich erschwingt. 
P. Julien aber (T 1804) zeigt sich schon in seinem 1779 ausgeführ- 
ten Receptionsstück an die Akademie, einen verwundeten Krieger 
darstellend (Louvre), als einem David richtungsvterwandt und als mir- 
digen Vorläufer Chaudefs. 
Ebenso, wie wir diess in den beiden behandelten Künsten ge- 
funden haben, alterte auch die Barock-Architektur Frankreichs 
mit Ludwig XIV. vom '17. in das 18. Jahrhundert herüber. Doch 
zeigte auch sie wie die Malerei frühzeitig Symptome einer wenn auch 
nur äusserlichen Verjüngung, wenn diese gleichwohl als etwas mehr 
erscheint, denn als eine berückende Schminke. Ich meine das neuer- 
lieh manchmal über Gebühr gepriesene, doch jetzt auch gehörig ge- 
würdigte Rococo ü). Mit dem Namen selbst verhält es sich ähnlich, 
wie mit dein der Gothik: er ist der Zeit der Geltung jenes Styles 
fremd und scheint erst in unserem Jahrhundert aus dem vgOÜi ro- 
cailleuxc (Muschelwerk) sich entwickelt und vielleicht erst spät (zu- 
erst bei Nagler s. v. Meissonier 1841?) in der (leutschen Literatur 
Eingang gefunden zu haben, während man in Frankreich bis jetzt 
bei der Bezeichnung xStyle Louis XVß geblieben ist. Semper M) be- 
zeichnet als die Idee des Roeoco 261355 das Rahmenwerk selbstän- 
dig und zurn Organismus wird, alle andern traditionellen Formen 
der Baukunst zu ersetzen beginnt. Pflanzenhaft, und nicht wie früher 
krystallinisch unrhytlnnisch, umrankt der Rahmen als ein organisch 
Belebtes die Füllllngc. 
Dem entsprechend ist zunächst und in der Hauptsache bleibend 
die neue Richtung von geringem oder nur negativem Einflüsse auf 
die herrschende Bauweise. Namentlich das Aeussere blieb noch lange 
in den Bahnen des Barokstyls oder des Styls Louis XIV., während 
sich nicht der Architekt, sondern der Decorateur bereits vollständig 
des Innern im neuen Sinne bemachtigt hatte: Das Holzschnitzwerk 
an Thüren, Rahmen und Getäfel, wie die Stuckarbeit an Decken 
 Ausser der oben angeführten Abhandlung von Zahn, namentlich Springer, 
"der Rococostyl" in seinen "Bildern aus der neueren Kunstgeschichte" 1867. 
h") Der Styl II. 850.
        

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