Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-530028
schaft dem Hornvieh keineswegs untergeordnet erscheint, weshalb 
der Künstler wie Habenschaden füglich auch den Meistern der Land- 
schaft beigezählt werden könnte. 
Wien, dessen Richtung nach dem früher Dargelegten doch 
dem Genre sehr günstig war, besitzt gleichwohl in der behandelten 
Periode auch in diesem Zweig nicht viele namhafte Künstler. Es 
kostete Mühe sich von dem an der Wiener Akademie ebenso wie 
in Dresden und mehr als an allen übrigen Malerschulen eingebür- 
gerten Verfahren, die Niederländer nachzuahmen und somit die 
Natur immer durch fremde Brille zu sehen, loszureissen und dem 
in systematischer Beharrlichkeit gepredigten Manierismus den Gehor- 
sam zu kündigen. Das Verdienst dieser That gebührt Ferd. G. Wald- 
müller, geb. 1793 zu Wien, 1' daselbst 1365. Nach langem Herum- 
irren in seinem Berufe und zunächst mit dem Bildnisse beschäftigt 
war er endlich durch Naturstudium für Portrathintergründe auf den 
Gedanken gekommen, die Galleriestudien ganz aufzugeben und von 
vorne beginnend lediglich mit der Natur zu rechnen. Wie die Hin- 
gebung, so war auch der Erfolg. Nach bedeutsamen Stoffen suchte 
er nicht; aber seine ungewöhnliche Wärme des Gemüthes machte 
aus den einfachsten Vorwürfen Idyllen der reizendsten Art. Seine 
Gegenstände waren meist dem Landleben, am liebsten der Kinder- 
welt entnommen. Ein auf dem Schoosse der Mutter zappelnder und 
vom glücklichen Vater betrachteter Säugling, ein schlafendes Wiegen- 
kind, vom älteren Schwesterchen bewacht, blumenpflückende Ge- 
schwister, Kinder im Walde bei anbrechendem Frühling, Grosspapsüs 
Namenstag, Christabend, Heimkehr von der Schule, Lohn und Strafe, 
waren seine liebsten Gegenstände. Doch, welches Ensemble, welche 
einfache, gesunde anspruchslose Lust! Auch im weiteren Verlauf 
des menschlichen Lebens genügt ihm das Gewöhnlichste, Abschied 
von Hause, Krankheit, Genesung, Eheleben, Ruhe des Greises. Die 
Vorgänge werden nicht trivial, weil sie mitgefühlt und so ursprüng- 
lich wiedergegeben sind, dass sie uns ewig neu erscheinen. Mit 
seinem Gegenstand innen und aussen vertraut, weiss er auch den 
fesselnden Ausdruck mit einem unvergleichlich feinen coloristischen 
Vortrag zu verbinden. Doch datierte es lange, ehe der Meister in 
seiner Heimat erkannt wurde; erst mussten Dutzende von Bildern 
in's Ausland, vornehmlich nach England wandern und der Künstler 
Selbst in drückender Noth zum Greise werden, bis der Bann brach
        

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